Responsive image

Sotho Blue

Abdullah Ibrahim, Ekaya

Intuition/SunnyMoon INT 34332
(49 Min., 3/2010)

In den vergangenen Jahren konnte man Abdullah Ibrahim fast ausschließlich solo oder im Pianotrio-Kontext erleben. Wer das Glück hatte, diese Konzerte besuchen zu können, wurde mit majestätischen Momenten der Einkehr belohnt. Umso erstaunlicher nimmt sich jetzt die neue Aufnahme des wohl wichtigsten Jazzmusikers Afrikas aus.
Für "Sotho Blue" hat der Mittsiebziger sein 1983 gegründetes Projekt "Ekaya" wieder ins Leben gerufen – ein Septett, dessen Sound von einer vierköpfigen Bläsersektion entscheidend geprägt wird. Von der Ursprungsbesetzung der Band ist freilich keiner mehr dabei. Stattdessen setzt Abdullah Ibrahim beim Gebläse auf frisches Blut aus den Staaten (Cleave Guyton: Altsax und Flöte, Keith Loftis: Tenor, Andrae Murchinson: Posaune, Jason Marshall: Bariton). Das tut der Einspielung gut, die mit dem gefährlich schleichenden "Calypso Minor" – das kann man nicht anders sagen – wirklich unfassbar cool anfängt. Abdullah Ibrahim, der sich enorm viel Zeit lässt, bis er in dieser Nummer den ersten frechen Akkord setzt, wird auf seine alten Tage noch mal richtig hip.
Obwohl die Hardbop-Stücke, die auf "Sotho Blue" versammelt sind, zum Teil schon 25 Jahre alt sind, klingen sie unverbraucht und frisch. Es mag zwar wie ein Bruch klingen, wenn dann plötzlich die Bläser rhythmusgruppenlos bei "The Wedding" und Bud Powells "Glass Enclosure" herzergreifende Choräle anstimmen. Aber angesichts der Geschichte von Ekaya, die stets bewusst die Vermischung südafrikanischer Vokaltraditionen mit spiritueller Musik aus Europa und den USA vorantrieb, ist diese Verbeugung vor der Vergangenheit nur konsequent.

Josef Engels, 02.10.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top