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Richard Strauss, Johann Strauß, Johannes Brahms, Ludwig van Beethoven u.a.

Kleiber - Complete Opera and Concert DVDs

Carlos Kleiber, div. Orchester und Gesangssolisten

DG/Universal 073 4605
(939 Min., 1979-1996) 10 DVDs

Er war einer der schlimmsten Zauderer, dieser vielleicht kapriziöseste Pultstar des 20. Jahrhunderts – aber wenn er dann einmal tatsächlich dirigierte, dann konnte sich der Himmel öffnen. Was dann in Bild und Ton festgehalten wurde, musste freilich dennoch nicht ins heimische Wohnzimmer gelangen: Oft verhinderten unbeseitigbare Einwände Carlos Kleibers noch nachträglich die Verwertung. Nach dem überraschenden Tod des Meisters im Jahre 2004 scheint sich da manches geändert zu haben: Komplette Editionen seiner Audio- und Videoproduktionen verlassen mittlerweile ungehindert das Presswerk. Und so erleben wir mit dieser opulenten Box zwei Wiener Neujahrskonzerte, zwei Produktionen des "Rosenkavaliers", die berühmte "Fledermaus" und einiges aus dem Bereich des sinfonischen Repertoires. Wir beobachten Carlos Kleiber beim Dirigieren der vierten Sinfonie von Johannes Brahms – wie wunderbar lyrisch und klangsatt gestaltet er gleich das erste Thema des ersten Satzes! Und wie gedankenklar, wie kühl durchdacht ist dagegen sein Beethoven (u. a. Sinfonien Nr. 4 und Nr. 7), ohne dabei doch jemals unterkühlt zu wirken. Überhaupt ist es der ungeheuer positive, ermunternde und die hehre Bedeutungsfülle des jeweiligen Werkes widerspiegelnde Gesichtsausdruck Kleibers im Konzert, der sicher so manchen im Vorfeld übel gestressten Musiker oder Manager allen vorausgegangenen Trubel vergessen ließ. Eine besondere Freude sind und bleiben die beiden "Rosenkavaliere": Der "klassische" aus München mit der Traumbesetzung Jones-Popp-Fassbaender, und der irgendwie objektivere, gelegentlich nüchternere mit Lott, von Otter und Bonney – man halte die Rosenüberreichungen oder die Bettszenen nebeneinander. Viel Freude und Erfüllung bringt diese Box, denn sie birgt einige der größten Momente der europäischen Interpretationsgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Michael Wersin, 09.10.2010



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