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Same Girl

Youn Sun Nah

ACT/Edel 1090242ACT
(47 Min., 4/2010)

Einen besseren Titel hätte man dieser CD wahrlich nicht geben können. Man käme nämlich nicht ohne weiteres auf die Idee, dass es tatsächlich ein- und dieselbe Person ist, die man hier auf den elf Stücken singen hört. Aber: Es ist wirklich das "Same Girl" (der gleichnamige Randy-Newman-Song befindet sich in einer unorthodox begleiteten Version selbstverständlich auch auf dem Tonträger), das seine unterschiedlichsten musikalischen Vorlieben hier lustvoll virtuos ausleben darf.
Youn Sun Nah, so scheint es, beherrscht alle Idiome des zeitgenössischen weiblichen Populargesangs perfekt: die verschlafene Countryblues-Laszivität einer Norah Jones ("Moondog"), die leicht hysterische Verspieltheit von Coco Rosie ("Pancake"), die Kunst der gepflegten Great-American-Songbook-Adaption ("My Favorite Things" mit – kein Scherz – Daumenklavier), das Liebäugeln mit der Welt des Chansons ("La Chanson d’Hélène", bei dem man dank Roland Brival glaubt, Serge Gainsbourg sei wieder von den Toten auferstanden) sowie der Mut zur mysteriösen Folklore-Weise ("Kangwondo Arirang").
Das ist aber noch lange nicht alles: Mit "Breakfast in Baghdad", das von ihrem kongenial multifunktionalen Gitarrenbegleiter Ulf Wakenius stammt, beweist Youn Sun Nah, dass sie im Maria-João-Sektor zu bestehen versteht. Und mit "Enter Sandman" zeigt die in Frankreich zweitbeheimatete Koreanerin, dass sie auch einen Metallica-Song mühelos zu ihrem ganz persönlichen Alptraum machen kann. Das einzige Problem dieser Aufnahme dürfte sein, dass sie eines ebenfalls extrem offenen Zuhörers bedarf. Aber wir wollen uns nicht über zu viel Abwechslung beschweren. Eintönige Sängerinnen gibt es schließlich genug.

Josef Engels, 09.10.2010



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