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Johann Sebastian Bach

Desire (Kantaten BWV 32, 49 & 154)

Il Gardellino

Passacaille/Note 1 PAS 956
(67 Min., 1/2008)

Sehnsüchtiges Verlangen nach Jesus Christus – ein theologischer Topos, der den Hintergrund für unzählige barocke Kantaten bildet. Biblische Anknüpfungspunkte dafür gibt es viele, sowohl unmittelbar im Neuen als auch im Alten Testament: Besonders die erotisch konnotierte Liebespoesie des Hohelieds wird traditionell auf das intime Verhältnis zwischen Jesus und der menschlichen Seele hin gelesen. Bachs Kantaten zu dieser Thematik sind überreich an musikalischen Schönheiten: Sei es das wundervoll schmachtende Oboenritornell der Eingangsarie von BWV 32, in das sich nach einer Weile die Sopranstimme höchst intensiv hineinmischt, sei es die konzertante Sinfonia mit Orgelsolo am Beginn von BWV 49, sei es das herrliche Duett zwischen Violoncello piccolo und Oboe in der Sopranarie derselben Kantate. Tatsächlich sind es vor allem die instrumentalen Aspekte, die bei der vorliegenden Aufnahme positiv ins Auge stechen: Hierfür sorgt kompetent und umsichtig – selbst spielend und auch leitend – der erfahrene Oboist Marcel Ponseele, der seine nicht minder erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zu wahren Höchstleistungen des kommunikativen Miteinanders anstiftet.
Da haben es die Gesangssolisten etwas schwer, sich adäquat einzumischen: Recht hölzern kommt der Bariton Lieven Termont daher, sprachlich nicht akzentfrei und auch gesangstechnisch mit etwas fester Zunge, wodurch seine Kantilenen nicht wirklich frei auszuschwingen vermögen. Letzteres gilt, in milderer Form, auch für die Sopranistin Caroline Weynants. Man höre die Duettkantate BWV 49 vergleichsweise mit Nancy Argenta und Klaus Mertens in Sigiswald Kuijkens kürzlich wiederveröffentlichter Einspielung von 1993 (Accent). Eigenartig matt präsentiert sich auch der Tenor Markus Ullmann u. a. in der Eingangsarie von BWV 154. Einzig der Altus Patrick Van Goethem kann mit schöner Stimme und geschmackvoller Gestaltung überzeugen – vor allem in Johann Christoph Bachs Kantate „Ach, dass ich Wassers gnug hätte“, die sich – für sich genommen sehr schön, aber thematisch nicht ganz passend – in dieses Programm verirrt hat.

Michael Wersin, 30.10.2010



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