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Heinrich Ignaz Franz Biber

Rosenkranz-Sonaten

Daniel Sepec, Hille Perl, Lee Santana, Michael Behringer

Coviello/Note 1 COV 21008
(124 Min., 10/2009) 2 CDs

Die Instrumente von Jacob Stainer gehören zur Musik Bibers wie die Silbermann-Orgeln zu Bach: Auch wenn es nicht sicher erwiesen ist, dass der österreichische Barockkomponist ein Instrument des berühmten Tiroler Geigenbauers besaß, klingen seine Rosenkranz-Sonaten, als seien sie den Stainer-Geigen auf den Leib geschrieben. Die drei exzellenten Stainer-Instrumente (darunter die berühmte letzte Stainer-Geige aus dem Tiroler Landesmuseum), die Daniel Sepec zur Verfügung standen, sichern seiner Einspielung des Zyklus mithin schon im Voraus Referenzcharakter. Oft wirkt es sogar, als würde der Konzertmeister der Deutschen Kammerphilharmonie einfach dem Klang seines Instruments folgen. Etwa wenn er die Geißelhiebe der siebten Sonate geradezu schneidend artikuliert oder in den Echoeffekten der Auferstehungs-Sonate ein ätherisches Pianissimo erreicht. Immer wieder offenbaren die Geigen neue expressive Klangfarben: In den schmerzensreichen Passionsabschnitten wie der Kreuztragung haben die ariosen Passagen einen dunkelgolden schimmernden Ton, in dem sich Trauer und Würde zugleich spiegeln, während das jubilierende Passagenwerk klingt, als sei es gerade vom Himmel gefallen. Jede Sonate bekommt so ihren eigenen, sensibel von der fantasievollen Continuogruppe um Hille Perl grundierten Charakter. Und das, obwohl Sepec Biber gar nicht so emphatisch rhetorisiert wie beispielsweise Andrew Manze und die Musik weniger mit dem Kopf des Barockexperten als mit dem Instinkt des ausgezeichneten Geigers angeht (was mitunter völlig andere Tempi zur Folge hat). Der Himmel hängt ab jetzt voller Stainer-Geigen.

Jörg Königsdorf, 30.10.2010



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