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Scenes From A Dream

Chris Minh Doky

Red Dot/Soulfood RDTM 017
(52 Min., 5 & 7/2009)

Der Autor gesteht: Für sich genommen liebt er die beiden. Zum einen den dänischen Kontrabassisten Chris Minh Doky, der sich zunächst als Sideman von Mike Stern und Michael Brecker in New York einen Namen machen konnte, bevor er Mitte der 90er gemeinsam mit seinem Bruder Niels Lan für Blue Note zwei wunderbare Platten im Jazz-Pop-Grenzbereich einspielte. Zum anderen das von Vince Mendoza geleitete Metropole Orkest aus den Niederlanden, das in vergangener Zeit an einigen bemerkenswerten Aufnahmen beteiligt war – hervorzuheben wären die Kollaborationen mit John Scofield und Jim Beard.
Eigentlich dürfte da doch nichts schiefgehen; vor allem, wenn mit Larry Goldings und Pete Erskine an Klavier und Schlagzeug prominente Unterstützung zur Verfügung steht. Im Trio mit Chris Minh Doky funktioniert das ja auch sehr gut. Der pralle, singende Ton des Basses, seine sanften, volksliedhaften Melodielinien – sie entfalten sich in diesem Kontext wie prächtige Blüten. Es zeigt sich hier einmal mehr, dass Doky der legitime Erbe der Basslegende Niels-Henning Ørsted Pedersen ist.
Gemeinsam mit dem weich wattierten Orchester aber entsteht ein ganz anderer Eindruck. Da können die Themen – wie etwa ein vietnamesisches Schlaflied oder eine Regenimpression aus Tokio – stellenweise noch so ungewohnt sein, da kann Doky solistisch noch so brillieren: Man wähnt sich ständig in einem leicht parfümierten Hollywood-Soundtrack. Schönheit ohne Kitsch – das, was einem Charlie Haden erstaunlicherweise immer wieder gelingt, bleibt hier leider nur Wunschdenken.

Josef Engels, 13.11.2010



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