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Camille Saint-Saëns

Orgelwerke

Mathieu Freyburger

Calliope/harmonia mundi CAL 9753
(75 Min., 9/2009)

Der offizielle Titel des Orgel-Recitals von Mathieu Freyburger ist leicht irreführend. Denn der Elsässer bietet nicht etwa eine Einspielung der Orgel-Solowerke von Camille Saint-Saëns. Bis auf lediglich zwei Original-Stücke sind sämtliche Werke Transkriptionen, die von Alexandre Guilmant stammen. Saint-Saëns' Landsmann und Zeitgenosse ist innerhalb der prominent besetzten spätromantischen Orgel-Dynastie Frankreichs heute der vielleicht Unbekannteste. Dabei war er nicht nur ein äußerst produktiver Komponist, der unterm Strich mehr an Orgelmusik hinterließ als das Viergestirn Franck, Saint-Saëns, Widor und Vierne zusammen. Gerade in den Bearbeitungen der Orchester- und Sakralwerke von Saint-Saëns springt einen Guilmants gerühmter Sinn fürs Melodische regelrecht an.
Statt den rein 'orchestralen' Effekt, wie er in der Transkriptionstradition des 19. Jahrhunderts üblich war, feiert Guilmant entlang von Saint-Saëns somit das Innehalten und Auskosten einer feinen Klangfarbenpalette. Natürlich mögen sich so manche Stücke am Rande der triefenden Sentimentalität bewegen, wie der "Marche de Hymnée" aus der Kantate "Noces de Prométhée" oder die "Hymne à Victor Hugo", die sich nach einer meditativen Reflexion zu einer opulenten Vollstimmigkeit aufschwingt. Doch Mathieu Freyburger hat auch da das knapp hundert Jahre alte, jüngst frisch aufpolierte Rinckenbach-Instrument mehr als nur fest im Griff. Wie er aus den sonoren Basisregistern Elegisches nuanciert aufknospen lässt und elastisch-elegant das Melodiöse auskostet, ist so beeindruckend wie anziehend. Was übrigens auch für die Transkription eines Messsatzes gilt, die auf Saint-Saëns zurückgeht. Und Freyburger predigt den weihevollen Ton da mit einer Zartheit, dass man sich rundherum zu diesem doch eigentlich konservativen Klangkitsch bekennen muss.

Guido Fischer, 20.11.2010



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