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Diverse

Il canto delle dame

María Cristina Kiehr, Concerto Soave, Jean-Marc Aymes

Ambronay/harmonia mundi AMY 025
(64 Min., 5/2010)

Entspannt wie schon lange nicht mehr hören wir die aus Argentinien stammende Sopranistin María Cristina Kiehr auf dieser auch in puncto Repertoire sehr reizvollen CD: So gründlich abwesend sind die in einigen Aufnahmen der letzten Jahre mehr oder weniger stark vorhandenen technischen Mängel (Festigkeit der Zunge, 'Knödel'), dass man dem vorliegenden Programm beinahe den Stellenwert eines Comebacks geben möchte.
Kiehr und ihr langjähriger musikalischer Partner Jean-Marc Aymes haben eine Folge frühbarocker Monodien (aufgeteilt in Kirchen- und Kammer-Concerti) zusammengestellt, die fast ausschließlich von Frauen komponiert wurden; und es ist nicht nur die mittlerweile recht bekannte Barbara Strozzi repräsentiert, sondern auch Francesca Caccini (die Tochter Giulio Caccinis) sowie die beiden Nonnen Caterina Assandra und Isabella Leonarda. Rein instrumentale Stücke ergänzen das Programm; auch zu einigen gesungenen Stücken treten ein oder zwei Violinen als konzertierende Partner der Vokalpartie hinzu.
"Konzentration und Versenkung" könnte als Motto über diesen ungemein ruhigen, fast friedvollen Darbietungen stehen. Ausdruck wird kaum jemals durch Exaltation, größere dynamische Effekte oder Vibrato erzeugt – hierin liegt ein fundamentaler Unterschied zu Magdalena Koženás etwa zeitgleich erschienenem Frühbarock-Rezital –, sondern durch verinnerlichte bzw. ins Innere zielende Intensität. Kiehr führt ihre Stimme stets sehr gerade, und sie achtet minutiös auf eine korrekte bzw. sinnvoll abgestufte Gewichtung von betonten und unbetonten Silben – Tugenden, die eigentlich mit der historisierenden Aufführungspraxis seit deren Anfängen untrennbar verbunden zu sein scheinen, die aber in den letzten Jahren zugunsten einer Erweiterung der Ausdruckspalette etwas in Vergessenheit gerieten. Vor diesem Hintergrund ist María Cristina Kiehrs Gesang nicht etwa puristisch, aber doch sehr rein im positiven Sinne. Er gibt dadurch den Blick frei auf die Musik als solche, auf ihre melodischen und harmonischen Wendungen. Der Hörer wird durchaus gefesselt, aber nicht gebeutelt: eine legitime und vor allem überzeugende Art, diese Musik umzusetzen. Wie es wirklich war, können wir niemals genau wissen.

Michael Wersin, 08.01.2011



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