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Niccolò Paganini

24 Capricen

Julia Fischer

Decca/Universal 478 2274
(80 Min., 9/2008 & 4/2009)

Im Booklettext zur ihrer Aufnahme von Paganinis "24 Capricen" erinnert sich Julia Fischer an die erste Begegnung mit diesem spieltechnischen Teufelszeug. Acht Jahre war sie gerade mal alt, als sie Thomas Zehetmair damit hörte – und staunte. Zwanzig Jahre später nun ist Fischers Staunen dem Mut gewichen, sich endlich selber dieses Hochamts der geigerischen Äquilibristik anzunehmen. Aus der Zehetmair-Verehrerin ist somit eine Kollegin geworden. Wobei sie im Vergleich zu der 2009 veröffentlichten Gesamteinspielung des Österreichers dann doch einen anderen Weg eingeschlagen hat. Hatte Zehetmair die 24 Stücke zu einem existenziell unter die Haut gehenden Zyklus verschweißt, kommt Fischers Konzept und Spiel eher sachlich daher. Was diesem arg geschundenen Katalog an fingerbrechenden Höchstschwierigkeiten durchaus gut tut.
Ihre stupende Technik, ihre Souveränität im Fulminanten wie im Luziden ist selbstverständlich kaum zu toppen. Und auch Paganinis unerreichte Kunst, auf knappstem Raum die transzendentale Virtuosität aus dem Fluss der Musik zu entwickeln, macht Fischer schon aufreizend lässig begreiflich. In den gefährlichen Drahtseilhöhen scheint sie sich so einfach tiefenentspannt wohl zu fühlen. Und auf dem irdischen Boden hat sie sich erst recht vom dämonischen Hexenmeister Paganini emanzipiert, als den ihn ja schon ein Heine erlebte. Ihr objektivierter Zugriff im Sinne eines Versuchs, die Capricen aus dem romantischen Reich der Magie zu führen und fast als 'absolute Musik' zu rehabilitieren, ist daher ein wohltuender Gegenentwurf zu all den Blendwerk-Artisten. Aber bei aller Modernität dieser Gesamteinspielung lechzt es einen zwischendurch trotzdem nach dem, was zum musikalische Leben eben auch gehört: der Nervenkitzel.

Guido Fischer, 29.01.2011



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