Arabesque

Cæcilie Norby


Act/Edel 1097232ACT
(62 Min.)

Es ist mutig, ein Vokal-Jazzalbum mit einem melancholischen Track zu beginnen, der unmittelbar die Assoziation an enterdet anmutendes 'nordisches Säuseln' aufkommen lässt; unterfüttert wird der Gesang von Bugge Wesseltofts Klavier, Lars Danielssons Kontrabass, ätherischen Synthi-Sounds und diskreter Perkussion. Doch die Musik entwickelt einen Sog zum Weiterhören; Lied für Lied wird das Hörerlebnis faszinierender. Cæcilie Norby ist schließlich keine Newcomerin. In den achtziger Jahren war sie eine gefeierte Jazz-, Funk- und Popsängerin. Später wandte sie sich ganz dem Jazz zu, trat mit prominenten skandinavischen und amerikanischen Stars auf und gilt seit den neunziger Jahren als die dänische Jazzsängerin schlechthin. Ihr Ehemann Lars Danielsson ist ihr Produzent und wichtigster Partner. Aufgewachsen als Kind einer Opernsängerin und eines klassischen Komponisten entwickelte Cæcilie Norby in ihrer Jugend eine besondere Liebe zur Musik des französischen Impressionismus. Auf "Arabesque" kommt sie auf diese frühen Erfahrungen zurück und greift bei fünf der 15 Titel auf Melodien von Ravel, Debussy und Satie zurück. Dabei werden die Melodien zu idealen Vehikeln ihrer immer von einer gewissen Schwermut geprägten Texte, die sie mit einer zum Brüchig-Sein neigenden reifen Frauenstimme interpretiert, in der ein jungmädchenhafter Glockenklang noch präsent ist, und der man auch die Kraft zu mächtigeren Registern zutraut. Eingebettet ist diese Stimme in eine passgenau zugeschnittene Begleitung, deren variantenreiche Impulse von Lars Danielsson ausgehen. Der streicht schon auch mal das Cello und bedient noch weitere Instrumente. Als Gäste beeindrucken unter anderen der Gitarrist Ulf Wakenius und der Trompeter Palle Mikkelborg. Stets aber bleibt – auch wo auf ein leicht auffächerndes Sounddesign zurückgegriffen wird – die Musik kammermusikalisch transparent. Liebhaber dieser Transparenz werden besonders den Bonustrack lieben; es handelt sich um die Vertonung von Shakespeares Sonett 128 durch Erik Norby, Cæcilies Vater. Am Ende eines 62-minütigen, immer wieder bewegenden Hörerlebnisses staunt man über die Seelenverwandtschaft des französischen Impressionismus mit dem aktuellen nordischen Jazz.

Thomas Fitterling, 05.02.2011


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Torquato Tassos Kreuzfahrerepos "Gerusalemme liberata" war im Italien des 18. Jahrhunderts so beliebt, wie den Deutschen ihre Ritter- und Heldensagen im 19. Jahrhundert. Die Gondolieri in Venedig konnten ganze Passagen auswendig rezitieren, berichtet Casanova, und auch in Rom, wo Tasso seine letzten Lebensjahre verbracht hatte, kannte man die Figuren des Epos gut, darunter vor allem den hehren Kreuzritter Rinaldo und seine Gegenspielerin, die Zauberin Armida. Georg Friedrich Händel, als blutjunger Tausendsassa nach Rom gekommen, saugte den italienischen Stil ein wie Muttermilch und verschaffte sich mit den musikdramatischen Juwelen seiner frühen Kantaten schnell die Hochachtung des römischen Adels. 1707 wurde auf einem Jagdausflug seine "Armida abbandonata" aufgeführt, die in drei Arien und zwei Accompagnati vollendet das Porträt der soeben von Rinaldo verlassenen Zauberin und ihre Seelenstürme porträtiert. Und diese Leidenschaften hat sich auch das Berner Ensemble "Les Passions de l'ame" unter Meret Lüthi zum Namensgeber erwählt. In ihrer neuen Aufnahme betten sie Händels Kantate geschickt als Epizentrum in Francesco Geminianis Ballettmusik "La Foresta incantata" (Der Zauberwald) ein, die dieser dem Epos Torquato Tassos fünfzig Jahre später abgelauscht hatte.