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Diverse

Celebración

Juan Diego Flórez, Los Angeles Philharmonic, Gustavo Dudamel

DG/Universal 073 4628
(88 Min., 10/2010)

In mancher Hinsicht unterscheidet sich dieses Rezital, festgehalten im Oktober 2010 in der Walt Disney Concert Hall von Los Angeles, von den üblichen Belcanto-Events nach dem Schema "Arienabend mit einem Gesangsstar plus Orchester". Zunächst verursachen die rahmenden Rossini-Ouvertüren nicht bloß Gähnkrämpfe beim Zuschauer, denn sie werden von Gustavo Dudamel und seinem Los Angeles Philharmonic wahrlich 'con brio' vorgetragen; hier sitzt jede Phrase und jeder kleine dynamische oder agogische Effekt perfekt. Sodann beschränkt man sich in Sachen Ouvertüren sage und schreibe auf nur zwei Nummern. Der Grund: Im zweiten Teil des Programms erklingt als wohltuender Kontrast lateinamerikanische Musik. Orchesterlieder und Tänze von Chabuca Granada, María Grever oder Arturo Márquez tragen maßgeblich zur Erfrischung der Hörerohren bei. Freilich bietet dieser Programmschwerpunkt auch Gelegenheit, Agustín Laras Schlager "Granada" ganz ungezwungen ins Programm zu mischen. Gerne erleben wir Juan Diego Flórez in einem zugegebenermaßen recht braven, Philharmonie-tauglichen Arrangement dieser vielstrapazierten Nummer – man vermisst ein wenig den finalen, endlos gehaltenen Spitzenton anderer Fassungen, genießt aber das pure Gold, das nach wie vor aus Flórez` Kehle fließt: Wie gut, dass wenigstens dieser Sänger offenbar so gut mit seinen Kräften hauszuhalten versteht und sich nicht im Rausch der Berühmtheit in kürzester Frist um Kehlkopf und Kragen gesungen hat. Und so sehen wir auch darüber hinweg, dass der wahre Zauber seines Materials erst in der oberen Mittellage beginnt, während die tiefe Lage vergleichsweise farbarm bleibt. Dafür wird es eben oben umso betörender, und die neuen hohen Cs von "Ah! Mes amis, quel jour de fête", die Flórez wie gewohnt quasi auf einem Bein stehend liefert, sind schon wirklich eine Sensation – Luciano Pavarotti, der dieses Stück in den 70ern populär gemacht hat, verzeihe die Parteinahme, aber hier ist Flórez einfach vollkommen in seinem Element. So wie auch in "La speranza più soave" (Semiramide) oder "Principe più non sei" (La Cenerentola): Wer wollte ihm hier das Wasser reichen? Ein Abend wie der hier präsentierte ist sicher ein Event fürs breitere (wie wohl auch eher vermögendere) Volk; wir sind dennoch begeistert.

Michael Wersin, 12.02.2011



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