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Gustav Mahler

Lieder aus "Des Knaben Wunderhorn"

Thomas Hampson, Wiener Virtuosen

DG/Universal 477 9289
(67 Min., 3 & 7/2010)

Mahler-Lieder in reduzierter Besetzung – ganz neu ist das natürlich nicht. Schließlich war es schon zu Zeiten von Arnold Schönbergs Verein für musikalische Privataufführungen gang und gäbe, Mahlers Lieder wie auch seine Sinfonien in Bearbeitungen für Kammerensemble zu spielen. Nun aber hat der unermüdliche Mahler-Interpret Thomas Hampson die Liedsammlung "Des Knaben Wunderhorn" in einer Fassung eingespielt, die Mahlers eigenen Aufführungsidealen folgt. Wie Hampson im Booklettext heraushebt, soll Mahler seine Orchesterlieder als 'Kammermusik' empfunden haben. Doch so radikal wie etwa Schönberg, der Mahlers "Lieder eines fahrenden Gesellen" gerade mal für zehn Instrumente abgespeckt hat, kommt Hampson mit den begleitenden Wiener Virtuosen nun doch nicht daher. Um die 40 Mitglieder und Freunde der Wiener Philharmoniker sind es jetzt, die vor allem mit dem enorm ausgedünnten Streicherapparat das Volksliedhafte der Lieder noch mehr konturieren.
Dieser Versuch, Mahler aus der Perspektive der historischen Aufführungspraxis von aller Hyper-Larmoyanz zu befreien, gelingt durchaus. Zumal Hampson seinen alten Tugenden treu bleibt und die intellektuelle Auseinandersetzung mit einer mitfühlenden Eindringlichkeit verschmilzt. Sorgen die Musiker für eine ungemeine Transparenz und damit Neubelichtung des Orchestersatzes mit seinen einzelnen Solo-Stimmen, erstaunt aber ausgerechnet Hampson mit bisweilen leicht verwaschenen Höhen. Und manchmal, wie im "Lied des Verfolgten im Turm", schlägt seine Artikulation unvermittelt in eine fast manieristisch wirkende Schärfe um. Wie er dann jedoch die intime Idylle und Bitternis in "Wo die schönen Trompeten blasen" zum Atmen bringt, ist schon wieder große Mahler-Kunst.

Guido Fischer, 19.02.2011



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