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Johann Friedrich Meister

Il giardino del piacere

Musica Antiqua Köln

Berlin Classics/Edel 0016742BC
(66 Min., 11/2004)

Eine CD, die eigentlich kaum einer 'Rezension' bedarf – vor allem empfehlende Worte sind am Platz, wenn Reinhard Goebel, der im Jahre 2006 nach 33 Jahren sein Ensemble Musica Antiqua Köln zumachte, seine allerletzte Einspielung mit ebendieser Gruppe vorlegt. Er hat sich einmal mehr einen wenig bekannten Tonsetzer herausgesucht: Johann Friedrich Meister (ca. 1638-1697), Organist der Flensburger Marienkirche, wird mit seiner Triosonatensammlung "Il giardino del piacere" (1695) vorgestellt. Und siehe da: Weil wir Normalsterblichen uns immer noch für die Triosonaten Buxtehudes oder Reinckens begeistern, rückt Goebel im Beihefttext mit gewohnt prägnanten Sentenzen die barocke Welt zurecht. Während die genannten Großen allzu akademisch und starr oft Bleischweres zu Papier brachten, erfrischen Johann Friedrich Meisters Sonaten eben dadurch, dass hier manches womöglich bewusst anders gestaltet ist. Ein besonderer Hauch von Frische und Verspieltheit durchweht tatsächlich diese höchst reizvolle Musik, ohne dass dabei freilich etwa auf Corellis 'Terzenseligkeit' zurückverfallen wird – auch in diesem Punkt hat Goebel recht. Wir genießen diese seine letzte Musica Antiqua-Produktion, wohl wissend, dass er sich danach keineswegs aus dem Alte Musik-Leben verabschiedet hat, sondern weiter mit markigen Wort dasjenige geißelt, was er auch schon in diesen Kreisen allenthalben als verstaubtes und verklebtes Establishment ausmacht. Wer die Szene ein bisschen kennt, weiß, dass er Recht hat und freut sich an diesen lebendig musizierten Perlen des Barockrepertoires. Mit von der Partie ist an Goebels Seite noch Stephan Schardt, der im Folgejahr bei einem Motorradunfall schwerste Verletzungen erlitt.

Michael Wersin, 12.03.2011



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