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Aurora

Verneri Pohjola

ACT/Edel 1090272ACT
(62 Min., 11/2008)

Miles Davis ist das erklärte Vorbild des finnischen Trompeters Verneri Pohjola. Nun, damit dürfte er nicht unbedingt alleine dastehen. Was Pohjola aber so besonders macht, ist die Tatsache, dass es nicht in erster Linie der Gestopfte-Trompeten-Miles oder der Elektro-Davis sind, die ihn hörbar beeinflusst haben. Sondern der Orchester-Miles. Pohjolas Debüt-Aufnahme unter eigenem Namen ist die Fortführung der Kollaboration zwischen Davis und Gil Evans mit ganz eigenen Mitteln. Und das nicht nur, weil die extrem minimalistische Version des "Concierto de Aranjuez" gegen Albumende den Faden aufnimmt, der sich auf "Sketches of Spain" einst entrollte.
Pohjola schafft es auf "Aurora", Ausnotiertes und Freies, Orchestrales und Intim-Solistisches in eine feine Balance zu bringen. Dabei wählt er mit seinen bis zu 14 Mitmusikern allerdings komplett andere Wege als die berühmten Vorläufer. Er skandinavisiert das Davis/Evans-Erbe, was ihn auf "Akvavit" in die Nähe von Palle Mikkelborg, auf "For three" seltsamerweise in die Gefilde eines Nino Rota führt. Und: Obwohl seine Trompete die Hauptrolle in den wechselnden musikalischen Situationen spielt, wird das eigentliche thematische Zentrum der Stücke von einem Streichquartett besetzt. So ergeben sich immer wieder reizvolle Kontraste zwischen der süßsauren Streicher-Mehrstimmigkeit, dem herben Knacksen und Knarksen des Schlagwerks sowie der finnischen Folklore-Idiomatik der Bläser. Dass Pohjola mit seinem fordernden Debüt gleichwohl in die Fußstapfen finnischer Publikumslieblinge wie Aki Kaurismäki oder Mikael Niemi treten könnte, beweist er mit dem trashig-schrägen Rausschmeißer "At the end of this album". Gut zu wissen: Der Mann hat Humor.

Josef Engels, 12.03.2011



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