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Johannes Brahms

Violinkonzert op. 77, Streichsextett Nr. 2 op. 36

Isabelle Faust, Mahler Chamber Orchestra, Daniel Harding

harmonia mundi 902075
(75 Min., 2 & 9/2010)

Das Violinkonzert von Johannes Brahms kann man tonschön auskosten. Wie im Eröffnungssatz, in dem Isabelle Faust gleich in ihrem ersten, lyrischen Solo eine Klangsinnlichkeit aufbietet, die unter die Haut geht. Und sicherlich hätte Faust von diesem Moment an mit ihrer "Dornröschen"-Stradivari ganz auf einen Drei-Sterne-Genuss setzen können. Wer wie Isabelle Faust aber neben einem Frank Peter Zimmermann und einem Christian Tetzlaff zu einer Generation von deutschen Weltklassegeigern gehört, die selbst im Altvertrauten ungemütliche Widerhaken auszumachen versteht, der lehnt sich auch bei Brahms nicht einfach zurück. Und so gerät bei Faust das Violinkonzert unter eine knisternde Hochspannung, wie sie so das letzte Mal nur Gidon Kremer mit Nikolaus Harnoncourt geschafft hat.
Gemeinsam mit Daniel Harding, der dem Mahler Chamber Orchestra ein Maximum an dynamischer Differenzierung und anspringendem Temperament herauskitzeln konnte, lässt sich Faust nun risikofreudig, aber stets sattelfest auf ihre Berg- und Talfahrten ein. Mit einem fast expressionistischen Kolorit, heftigen Kontrasten aus einsamen Gesängen und energiereichem Furor, der im Finalsatz in einer regelrechten Apotheose eines "Dornröschen"-Tanzes mündet. Und immer verblüfft dabei, wie die aus dem Geist der Moderne heraus musizierende Faust ihren Intellekt mit dem Herzen kurzzuschließen versteht. Überragend. Was Faust zudem für eine Alleskönnerin ist, beweist sie dann einmal mehr im Kammermusikalischen. Mit fünf Freunden (u. a. der Violinistin Julia-Maria Kretz, dem Bratscher Stefan Fehlandt, und dem Cellisten Christoph Richter) geht sie das zweite Streichsextett von Brahms ebenso hintergründig-doppelbödig wie klangsatt und schwungvoll an.

Guido Fischer, 19.03.2011



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