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Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 2

Kate Royal, Magdalena Kožená, Berliner Philharmoniker, Simon Rattle

EMI 6473632
(86 Min., 10/2010) 2 CDs

Schon wieder Mahler mit Rattle? Erst vor kurzem hat Sir Simon seinen über zwei Jahrzehnte gewachsenen ersten Zyklus vollendet – da wirkt eine Neuauflage auf den ersten Blick nicht gerade zwingend. Auf den zweiten Blick aber doch, denn der Mitschnitt aus der Berliner Philharmonie ist Rattles erste Aufnahme von 1987 turmhoch überlegen. Das liegt am Chef ebenso wie am Orchester: So schön wie jetzt haben die Philharmoniker selbst in den besten Zeiten der Ära Karajan nicht geklungen. Der Wohlklang ist bei Rattle jedoch nicht Selbstzweck, sondern Ausgangspunkt der Interpretation. Sein Mahler setzt sich aus einer Fülle orchestraler Einzelereignisse zusammen, der große Bogen scheint nicht durch die antreibende Fuchtel des Dirigenten zu entstehen, sondern sich quasi von selbst aus der sinnlichen Präsenz der Details zu ergeben. Etwa im zweiten Satz, wo der faszinierend schmiegsame Streichersound eben nicht nur pure Schönheit, sondern einen melancholisch traumverlorenen Schwebezustand vermittelt. Anfangs scheint es fast, als würde Rattle sein Orchester etwas zu sehr an der langen Leine spielen lassen – doch geht es ihm gerade um die kontinuierliche, unmerkliche Steigerung der emotionalen Dichte bis hin zum Auferstehungs-Finale, das hier eine überwältigende hymnische Strahlkraft entfaltet. Und da auch die Aufnahmetechnik gegenüber den früheren, oft etwas diffusen Berliner Rattle-Aufnahmen einen entscheidenden Schritt nach vorn getan hat, dürfte dieser Mahler Zwo der Status einer neuen Referenzeinspielung – neben dem Klemperer-Klassiker – kaum zu nehmen sein.

Jörg Königsdorf, 19.03.2011



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