Fast möchte man glauben, Herzog Ludwig I. von Sachsen-Meiningen hätte es kaum erwarten können, endlich vor die Gottespforte zu treten. Denn schon in jungen Jahren muss er seinen selbstgedichteten Leichentext und eine passende Predigt in der Schublade gehabt haben. 1724 kam dann des Herzogs Abschiedsrede zum Zuge. In Form von Kantatentexten, die Johann Ludwig Bach zu einer "Trauermusik" vertont hatte. Und auch wenn von diesem entfernten Verwandten Johann Sebastian Bachs nichts an bedeutsamen Kompositionen überlebt hat – seinem verstorbenen Brötchengeber sollte der damalige Hofkapellmeister (1677-1731) mit einem Werk gedenken, das es unbedingt wiederzuentdecken gilt.
Dirigent Hans-Christoph Rademann ist dies mehr als geglückt. Gemeinsam mit der Akademie für Alte Musik Berlin, dem RIAS Kammerchor und einem glänzend aufgestellten Solistenquartett schreitet Rademann beschwingt und empfindsam jenem himmlischen Licht entgegen, das Bach zum Schluss mit fast Händelschem Glanz und Gloria angeknipst hatte. Überhaupt spiegeln die musikalisch beschrittenen Wegstationen vom irdischen Kerker bis zur Preisung Jerusalems Bachs verblüffenden Einfallsreichtum wider. Komponiert für Doppelchor, vier Sänger und Orchester, erweist sich Bach nicht nur in den Soloarien als Melodiker vor dem Herrn. Selbst in Chorsätzen wie "Meine Bande sind zerrissen" schlägt einem jetzt ein kraftvoller Drive entgegen, der jazzige Züge besitzt und gar ins raffiniert minimalistisch Motorische umschlägt.

Guido Fischer, 26.03.2011



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