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Johann Sebastian Bach

Kantaten für das ganze liturgische Jahr – Folge 13

Yeree Suh, Petra Noskaiová, Christoph Genz, Jan van der Crabben, La Petite Bande, Sigiswald Kuijken

Accent/Note 1 ACC 25313
(65 Min., 4/2009)

Da ist Sigiswald Kuijken wirklich ein Coup gelungen, ähnlich wie einst Johann Sebastian Bach: Letzterer arbeitete im Frühjahr 1725 seine Pastorale für den Geburtstag von Herzog Christian von Sachsen-Weissenfels kurzerhand zum "Osteroratorium" um, das dann am Ostersonntag 1725 im Leipziger Hauptgottesdienst erklang. Und Sigiswald Kuijken beschert uns vom Eingangschor dieses ungeheuer spritzigen Stücks eine wahrhaft mitreißende Interpretation. Wie ein beschwingter Walzer kommt diese großartige Nummer daher, die den eiligen Lauf der Jünger Petrus und Johannes zum leeren Grab Christi zum Thema hat. Auch die beiden Marien, die das leere Grab zuerst entdeckt hatten, laufen wieder mit dorthin, und hier ist es die koreanische Sopranistin Yeree Suh als Maria Jacobi, die mit ihrem ausgelassenen Jauchzen auf höchstem stimmtechnischen Niveau dem Hörer Anlass zu großer Freude gibt. Diese Freude setzt sich fort in der Sopranarie "Seele, deine Spezereien", in der Yeree Suh gleichfalls aufs Beglückendste brilliert, und flammt auch anlässlich der Altarie "Saget, saget mir geschwinde" nochmals auf: Hier ist es Petra Noskaiová mit ihrer warmen, ebenso souverän wie entspannt geführten Mezzo-Stimme, die dem Ohr des entzückten Hörers schmeichelt. Dazwischen – das sei nicht verschwiegen – gibt es auch ein kleines Betrübnis. Christoph Genz präsentiert sich in seiner herrlichen Arie "Sanfte soll mein Todeskummer" nicht in Bestform, eine gewisse Müdigkeit und Sprödigkeit des Materials sind nicht zu überhören. Schade, diese Arie ist doch theoretisch der Höhepunkt des gesamten "Osteroratoriums". Aber in der Praxis ist sie es aufgrund ihrer Schwierigkeit eben leider dann oft doch nicht.
In der Ostermontagskantate "Bleib bei uns, denn es will Abend werden" (BWV 6) bietet Petra Noskaiová dann eine nahezu makellose Interpretation der einzigartig schönen Altarie "Hochgelobter Gottessohn", Sigiswald Kuijken begleitet die Cantus firmus singende Yeree Suh virtuos auf dem Schultercello (violoncello da spalla), und Jan van der Crabben, der in dieser Folge leider keine Arie hat, bewährt sich im anschließenden Rezitativ als ungemein präsenter Deklamator mit warmer, klangschöner Baritonstimme. Fast überflüssig, noch anzumerken, dass diese CD ein perfektes Ostergeschenk für jeden Bach-Freund ist.

Michael Wersin, 02.04.2011



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