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Johann Sebastian Bach

Johannes-Passion

Cappella Amsterdam, Orchestra of the Eighteenth Century, Frans Brüggen

Glossa/Note 1 GCD 921113
(111 Min., 3 & 4/2010) 2 CDs

Live-Aufnahmen komplexer Werke bewegen den Hörer häufig nicht zu einem begeisterten "Ja!" – zu viele der kaum vermeidlichen Ungenauigkeiten bleiben stehen, selbst dann noch, wenn es einen Termin für Nachaufnahmen gibt. Das ist auch in dieser "Johannes-Passion" so: Da ist z. B. dieser ganz falsche Chorakkord gleich am Beginn des Eingangschores (der dritte "Herr!"-Ruf). Und in der ersten Alt-Arie ("Von den Stricken") schleppen Oboen und Continuo den immer wieder hörbar zu späten Solisten Michael Chance durch das Stück. Hinzu kommen zahllose kleine Ungenauigkeiten in den Rezitativen sowie der Eindruck, der Chor komme akustisch (z. B. im Eingangschor) ein wenig zu kurz. All diese aufführungsbedingten Störungen würden vielleicht noch keinen generellen Vorbehalt gegen diese Einspielung rechtfertigen – aber es gibt auch andere, nicht der Aufnahmesituation anzulastende Schwächen: Thomas Oliemans, der den Jesus singt, führt seine Stimme recht unruhig und hat nur wenig Volumen in der Tiefe parat. Der Arientenor Marcel Beekman nimmt die Reue-Arie des Petrus ("Ach, mein Sinn") merkwürdig flapsig und frohgemut – hat er sich mit dem Text beschäftigt? All dies kann nicht aufgewogen werden durch die positiven Aspekte: die knackig präzisen, sprachlich gut ausgearbeiteten Turba-Chöre, die fast agoniehaft meditative Gestimmtheit des großen Eingangschores, die packende Umsetzung des Evangelistenparts durch den stimmlich nicht hundertprozentig frischen, dafür aber überaus wachen und sprachlich hochengagierten Markus Schäfer. Wie schade – der Gesamteindruck ist unterm Strich nicht wirklich überzeugend.

Michael Wersin, 02.04.2011



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