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Diverse

Rojotango

Erwin Schrott, Pablo Ziegler

Sony 88697 727292
(48 Min., 7 & 11/2010)

Wenn Opernsänger fremdgehen, gelten besondere Gesetze. Egal, ob sie Rock, Schlager oder Volksmusik singen, kommt es in keinem Fall auf Authentizität an, sondern eher darauf, ob sie mit ihren Opernstimmen dieser U-Musik eine eigene Sichtweise abgewinnen können, die die vertrauten Hits in neuem Licht erscheinen lässt. Es wäre deshalb auch müßig, für Erwin Schrotts Tango-Album die ganze Ahnengalerie der großen Tangosänger herunterzubeten, denn der "sexiest bass-baritone alive" bleibt auch auf "Rojotango" ganz Opernsänger. Unterstützt von Tango-Koryphäen wie Pablo Ziegler macht er seine Sache sogar sehr gut. Nirgends klingt es so, als sei Tango für ihn 'fremde' Musik, stattdessen bewältigt der Uruguayer die typischen Umschwünge von Macho-Hitzigkeit zu samtigen Schmeicheltönen sehr natürlich und bringt in Nummern wie Piazzollas berühmten "Pájaros perdidos" auch Gefühle wie Trotz und Bitterkeit mit ein. Es ist also eigentlich alles da, und doch beeindruckt Schrott eher, als zu berühren. Denn der voluminösen Opernstimme fehlt wohl einfach die Verletzlichkeit und Lebenswahrheit, die große Tangosänger mit kratzigen, kehligen, herben Stimmen viel eher erreichen. Schrotts Tangos führen nicht in die Welt der verrauchten Bars und schummrigen Tanzlokale, sondern verorten sich irgendwo zwischen Opernbühne und Grandhotel. Es bleibt jedem überlassen, wo er sich wohler fühlt.

Jörg Königsdorf, 30.04.2011



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