Responsive image
Johann Rosenmüller, Giovanni Legrenzi, Alessandro Stradella

Venezia

The Rare Fruits Council, Manfredo Kraemer

Ambronay/harmonia mundi AMY 028
(81 Min., 9/2010)

Vermutlich haben sich Johann Rosenmüller, Giovanni Legrenzi und Alessandro Stradella niemals im Leben getroffen, geschweige denn über Musik ausgetauscht oder gar zusammen musiziert. Im Jahre 1677 jedoch hätten sie das theoretisch tun können – da waren sie nämlich nachweislich alle in Venedig, dieser quirligen, an künstlerischen Ereignissen und spektakulären Persönlichkeiten damals so reichen Kulturmetropole. Wenn wir also das von Ensembleleiter Manfredo Kraemer humorvoll postulierte Treffen auch als (schöne) Fiktion werten müssen, so lassen wir uns doch von Kraemer und seinen fantastischen Musikern gern vorführen, wie unterschiedlich die Musik der drei Meister klang: Jede hat ihren eigenen Charakter – bei Rosenmüller fasziniert etwa der süffig-warme Wohlklang des Tutti, bei Stradella staunen wir über halsbrecherische Synkopierungen –, und für jede findet Kraemer auch einen eigenen interpretatorischen Tonfall, der die jeweiligen stilistischen Eigenheiten überzeugend transportiert und bis ins Timbre der einzelnen Instrumente zu verfolgen ist. Das sind die höheren Weihen des kammermusikalischen Miteinanders handverlesener Könner; dass Aspekte wie rhythmische und klangliche Homogenität oder Intonation als Voraussetzung dafür mit geradezu schlafwandlerischer Sicherheit erreicht werden, braucht nicht erwähnt zu werden. Wir Hörer genießen jede Minute des herausragenden Ergebnisses – barocke Kammermusik als schöne, bunte Welt voller mitreißender und beglückender Ereignisse. Achtung: Dies ist eine ganz besondere CD!

Michael Wersin, 30.04.2011



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Souvenir d’Italie: Wer bei russischer Kammermusik harmonisches Räucherwerk und schweren Samt erwartet und sich vorbereitend den Hemdkragen öffnen will, wird überrascht sein. Michail Glinka, der „Vater der russischen Musik“, war ein reisefreudiger Mann. Nachdem er seine stilbildende Oper „Ein Leben für den Zaren“ in St. Petersburg abgeliefert hatte, und weil es dort politisch so ungemütlich für Freigeister wie ihn wurde, begab er sich 1830 nach Italien und tauchte tief in die […] mehr »


Top