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Claudio Monteverdi

Vespro della Beata Vergine

La Capella Ducale, Roland Wilson

Pan/Note 1 PC 10240
(81 Min., 10/2010)

Eine Aufnahme von Monteverdis berühmter Vesper, die in schmerzlicher Weise den Unterschied zwischen einer Studioproduktion und einem Live-Mitschnitt deutlich macht: Zahlreiche Spitzenkräfte waren unter den Sängern und Instrumentalisten, die sich im Oktober 2010 auf dem Kölner Fest für Alte Musik zwecks Aufführung der "Marienvesper" zusammenfanden, und sie wurden eingewiesen und geleitet von Roland Wilson, der höchstselbst zum Urgestein der "Marienvesper"-Rezeption unserer Tage gehört. Man bemerkt die umfassende Erfahrung mit dem Werk, die dieser Crew zu eigen ist, an allen Ecken und Enden. Wundervoll etwa die stark besetzte Continuo-Ebene mit zwei Orgeln, drei Chitarroni und einer Doppelharfe, die sich in unterschiedlichsten Kombinationen zur Begleitung der Chorsätze und der Concerti zusammenfindet; jeder der Musiker kennt die Nummern in- und auswendig, jeder trägt aus seinem reichen Fundus an musikalischen Ideen zur Improvisation des Continuo-Parts Großartiges bei. Dieser Continuo-Reichtum macht vor allem die Concerti der Vesper zum Erlebnis. Großartig natürlich auch die Zinkenisten mit ihren dutzendfach erprobten halsbrecherischen Diminutionen, die heutzutage zu den ganz speziellen Reizen einer kompetent besetzten "Marienvesper" gehören. Und in der kleinen, rein professionellen Sängerbesetzung finden sich gleichfalls eine Menge der prominentesten Namen der Alte-Musik-Szene unserer Tage: Dorothee Mields, Hans Jörg Mammel, Hermann Oswald oder Markus Flaig sind nur einige davon.
Aber der Mitschnitt eines einzigen Konzertes, bei dem alles auf eine Karte gesetzt wird, ist etwas anderes als eine mehrtägige Aufnahmephase unter Studiobedingungen, es ging dann eben doch dies und jenes hörbar schief. Problematisch sind vor allem Intonationstrübungen bei einigen der Sänger, die für eine Reihe von quälend unsauberen Momenten verantwortlich sind. Zusätzlich zu solchen punktuellen Problemen nimmt der aufmerksame Hörer aber immer wieder auch die Anspannung wahr, unter der das Ensemble in dieser exponierten Position stand: Nicht immer wurde wirklich frei und unter Rückgriff auf das gesamte Spektrum der individuellen Fertigkeiten musiziert; die "Sonata sopra Sancta Maria" etwa haben wir, teils mit denselben Musikern, schon deutlich lockerer und brillanter gehört. Kurzum, dies ist eine "Marienvesper" für den Kenner, der auch an Details interessiert ist und ohnehin schon ein paar andere Aufnahmen im Schrank hat; sie ist eine Fundgrube für jeden, der Dokumente der historisierenden Aufführungspraxis zu diesem Werk sucht. Aber sie ist nicht geeignet zum unbeschwerten Kennenlernen dieser Musik und sie ist nichts für Ästheten, die auf ein durch und durch 'stubenreines' Gesamtsetting Wert legen.

Michael Wersin, 14.05.2011



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