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Pierre Boulez, Alban Berg

Drei Orchesterstücke op. 6, Notations I - IV

Wiener Philharmoniker, Pierre Boulez

Arthaus / Naxos 100 290
(57 Min., 1998) 1 DVD, PCM-Stereo, PAL 4:3

Pierre Boulez schätzt am musikalischen Denken Alban Bergs die ungeheure Expressivität bei gleich bleibend höchster Komplexität. Eine Einschätzung, die gleichermaßen auch auf das Werk von Boulez zutrifft. Was bei einem Komponisten schließlich nicht verwundert, der die entscheidenen Schubkräfte der klassische Moderne in sich vereint und daraus eine Erzählsprache von komplizierter wie auch virtuoser Textur geschaffen hat. In dem Probenmitschnitt "In Rehearsal", der 1998 im Wiener Musikvereinssaal entstand, stehen nun Werke von Berg und Boulez nebeneinander: Bergs "Drei Orchesterstücke" (1914/1929) und die ersten vier der 12 "Notations", die Boulez 1945 für Klavier komponierte und aus denen er seit 1978 in Orchesterfassungen ganz neue Werke schafft.
Und mit welchen Schwierigkeitsgraden die Wiener Philharmoniker da bisweilen zu kämpfen haben, ist auf der DVD ebenso mitzuerleben, wie der damals immerhin schon 73-jährige Dirigent Boulez die Detailarbeit mit offenen Augen und Ohren, statt mit despotischer Attitüde überwacht. Gelingt dann nach mehrmaliger Überprüfung einzelner Stimmen eine rhythmisch verwinkelte und mit Klangfarben aufgefüllte Phrase, klopfen sich diese altgedienten Musiker zufrieden und mit erleichtertem Lächeln auf die Schenkel. Als ein Einblick in die Musik des 20. Jahrhunderts und darüber hinaus bietet sich die Dokumentation aber nicht nur deshalb an, weil sich hier auf engstem Raum auch Debussy, Schönberg und Strawinsky in die Werke einhaken. Die Werkeinführungen von Boulez müssen einfach neugierig machen auf das, was sich hinter der Musica Nova sonst noch verbirgt.

Guido Fischer, 21.06.2003



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