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Johann Sebastian Bach

Motetten

Collegium Vocale Gent, Philippe Herreweghe

Phi/Note 1 LPH 002
(62 Min., 1/2011)

Als eine Art 'Momentaufnahme' im Zuge einer auch heute noch weiter voranschreitenden Erforschung der Werke Bachs und ihrer Aufführungspraxis präsentiert Philippe Herreweghe seine Neuaufnahme der Motetten. So sehr er die Vorläufigkeit aufführungspraktischer 'Gewissheiten' betont, so deutlich bekennt er sich auch zu einer Flexibilität in Sachen Ensemblestärke: Wenn er etwa "Singet dem Herrn" in den Rahmenteilen mit drei Sängern pro Stimme nebst einfach besetzten Colla-parte-Instrumenten musiziert, "Komm, Jesu, komm" aber von nur einem Sänger pro Stimme singen lässt, dann gibt er sich erfreulich undogmatisch. Selbstverständlich ist eine kleine Besetzung, aber ob diese dann nur klein oder tatsächlich minimal ausfällt, entscheidet Herreweghe auf Basis seiner Werkauffassung und Klangvorstellung – ein vernünftiger Ansatz, gegen den nichts einzuwenden ist.
Herreweghe verweist in seinem persönlichen Einleitungstext ferner auf die Gunst der Stunde, die es ermöglicht, mit hervorragenden Kräften zu arbeiten. Was er in diesem Zusammenhang mit "ebenso kostbaren wie fragilen Momenten" meint, lässt sich mit dieser CD unmittelbar erleben: Nicht der geringste 'materielle Widerstand' von Seiten des handverlesenen Ensembles behindert das Ausdrucksstreben des Dirigenten. Herreweghe kann einen phantastisch homogenen, im Timbre schlichtweg berückend schönen Klangkörper nach seinen Vorstellungen führen und formen, er kann Bachs Musik quasi mit einem vollkommenen Instrument klangliche Wirklichkeit werden lassen. An Gestaltungsideen mangelt es dem erfahrenen Bach-Kenner freilich nicht, und daher gelingt ihm eine denkbar textnahe, geschmackvoll expressive, detailgenaue, edle Darbietung dieser wertvollen Stücke, die allerhöchsten Ansprüchen zu genügen vermag.

Michael Wersin, 11.06.2011



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