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Rose of Sharon (100 years of American Music 1770-1870)

Joel Frederiksen, Ensemble Phoenix Munich

harmonia mundi HMC 902085
(72 Min., 5/2010)

Als im 18. Jahrhundert die ersten englischen Komponisten in die Neue Welt auswanderten, herrschte in den USA musikalische Ödnis. Und bis sie dank eines Charles Ives endlich auch zu einer musikalischen Weltmacht aufsteigen sollte, verging mehr als ein Jahrhundert. Zwar hatte bis dahin so mancher Klassik-Gesandte der englischen Krone vielversprechende Grundsteine gelegt, wie vor zehn Jahren der Cembalist Olivier Baumont mit seinem Recital "The enlightenment in the New World" zeigen konnte. Doch auf große Kunst legte man da in einem Land, das sich erst einmal politisch und religiös sortieren musste, noch keinen gesteigerten Wert. Nimmt man daher das Album "Rose of Sharon" zur Hand, fühlt man sich bei den Songs hin und her gerissen zwischen Trachtenumzügen, mit denen man gerne die amerikanische Unabhängigkeitserklärung feiert, und Wildwest-Streifen mit John Wayne.
Tief in den Archiven hat der amerikanische Lautenist und Bassist Joel Frederiksen für dieses Programm gestöbert, das musikalisch den Zeitraum 1770 bis 1870 absteckt. Und zusammen mit den insgesamt acht Sängern und Instrumentalisten seines Ensemble Phoenix Munich kann man dann schon mal im Geiste stramm mitmarschieren – etwa bei Liedern aus dem Bürgerkrieg. Aparte Folksongs offenbaren die Wurzeln des amerikanischen Puritanismus. Und zwischendurch kann man in eine Welt von Kirchengesängen eintauchen, die entfernt tatsächlich etwas von dem europäischen Motettengeist besitzen. Bei aller Anmut und Tonschönheit, mit denen die Musiker hier ein unbekanntes Kapitel der jüngeren Musikgeschichte aufschlagen, ist man aber rückblickend froh, dass die USA danach bald ihren wahren American way of sound eingeschlagen haben.

Guido Fischer, 11.06.2011



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