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Ludwig van Beethoven

Sinfonie Nr. 3, Die Geschöpfe des Prometheus

Sinfonieorchester Montreal, Kent Nagano

Sony 88697 857372
(74 Min.)

Schon lange ist es her, dass Hans-Klaus Jungheinrich anlässlich einer Neuaufnahme von Beethovens "Eroica" einmal angemerkt hat, dass "beim Allerbekanntesten die Anforderungen an interpretatorische Qualität und Originalität wachsen". Seitdem hat sich gerade auch bei diesem Allzeit-Hit dank der historischen Aufführungspraxis einiges getan. Und wem das dann doch zu sehnig gewesen ist, der bekam immerhin zuletzt von Christian Thielemann eine Rückkehr zu alten, romantisierenden Tugenden geboten. Sich zwischen solchen Extremen zu behaupten, ist daher schon fast eine Sisyphus-Arbeit. Mit seinem Orchestre Symphonique de Montréal ist Kent Nagano dieses Wagnis dennoch eingegangen. Und herausgekommen ist eine Sichtweise, die Drive und Feuer besitzt, ohne dass sich Nagano deshalb um Kopf und Kragen dirigiert – dazu liegt ihm die rhetorische Struktur der Musik allzu sehr am Herzen.
Mit dieser Balance aus Engagement und Reflexion, aus antreibender Brillanz und kammermusikalischer Durchleuchtung gelingt Nagano mit seinem glänzend aufgestellten Orchester das, was man in Zeiten radikaler Kontraste kaum mehr für möglich gehalten hat: Man scheint des Meisters Wille zu hören und nicht irgendwelche Ideen-Manifeste von Pult-Gurus. Vor die dritte Sinfonie hat Nagano die Ballettmusik von Beethovens "Die Geschöpfe des Prometheus" gestellt, was sich thematisch und musikalisch anbietet. Und glücklicherweise verweigert sich Nagano auch hier einer titanischen, von feierlichem Pathos aufgeladenen Gangart. Dass Nagano auch damit Qualität bietet, ohne originell sein zu wollen, spricht für ihn und diese Aufnahme.

Guido Fischer, 18.06.2011



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