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French Stories

Cédric Hanriot

Plus Loin/Soulfood PLCD 4535
(61 Min., 8/2009 & 10/2009)

Man vernimmt im Hintergrund das Rauschen der Subway und Polizeisirenen. Was hat das zu bedeuten? Nun, gleich im ersten Stück seines Debütalbums zeigt Cédric Hanriot, dass er gewissermaßen das Gegenstück zum Amerikaner in Paris ist. Als Franzose in New York konnte der Pianist und Keyboarder in den vergangenen Jahren im Big Apple auf sich aufmerksam machen. Und zwar so sehr, dass ihn die amerikanische Rhythmusgruppen-Prominenz in Gestalt von Bassist John Pattitucci und Schlagzeugerin Terri Lyne Carrington nicht nur musikalisch aus Leibeskräften bei seinem Erstling unterstützt, sondern – im Falle Carringtons – auch eine enthusiastische Lobeshymne im CD-Booklet verewigt. Verdientermaßen.
Hanriot entpuppt sich auf "French stories" als ein mit allen Wassern der Hancock-Schule gewaschener Solist von großem Talent, dessen Spezialdisziplin es ist, in den Stücken organisch zwischen Klavier und E-Piano zu wechseln. Und nicht nur das: Er verteidigt auch spielerisch-stolz seine nationalen Wurzeln. Denn neben Eigenkompositionen wie "Louisiana", "Crunkie" oder "Mambo", die beweisen, dass Hanriot seinen Monk gelernt und uramerikanische Groove-Tugenden verinnerlicht hat, machen Bearbeitungen französischer Chanson-Klassiker einen deutlichen Schwerpunkt der Aufnahme aus. Die hinterlassen aber – ähnlich wie die schwer in den 90er Jahren steckengebliebene Carrington-Nummer "Your sweetness" – einen zwiespältigen Eindruck. Während Brels "La chanson des vieux amants" dank Pattituccis mächtigem Kontrabass-Ostinato und den geschmackvoll eingesetzten Streichern noch zu interessieren vermag, zerren das arg postmodernistisch zerrupfte "Le jazz et la Java" und die manieriert geflüsterte Piaf-Verbeugung "Hymne a l’amour" ziemlich an den Nerven. Aber so sind Debütalben manchmal: Man will zu viel. Was aber verzeihlich ist, wenn man wie Cédric Hanriot so viel kann.

Josef Engels, 25.06.2011



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