Responsive image
Francis Poulenc

Konzert für zwei Klaviere, Suite française, Concert champêtre

Jos van Immerseel, Claire Chevallier, Kateřina Chroboková, Anima Eterna Brugge

Zig Zag/Note 1 ZZT 110403
(58 Min., 2008)

Hinweg mit all den romantischen Klangklebemitteln und all den Wagner-Mythen, die einem nur den Kopf vernebeln – auf diesen Nenner konnten sich 1918 in Paris sechs Komponisten einigen. Und weil Louis Durey, Arthur Honegger, Germaine Tailleferre, Georges Auric, Darius Milhaud und Francis Poulenc gerade so schön in Fahrt waren, rückte man selbst von einem Claude Debussy ab. Denn das als Groupe de Six in die Musikgeschichtsbücher eingegangene Komponistensextett hatte von Musik nun wahrlich eine ganz andere Vorstellung. Leicht, schnörkellos und bisweilen volkstümlich sollte sie sein. Und gerade Poulenc zapfte dafür nicht nur die schöne Chanson-Welt an, sondern den Jazz, die Varietémusik und selbst Barock-Meister wie Rameau und Couperin.
Kein Wunder, dass speziell diese neo-klassizistischen Flirts oftmals Igor Strawinsky in Erinnerung rufen, wie in der "Suite française", die von ihrer Besetzung wie von der charmant burlesken Rhythmik her an dessen Bläseroktett erinnert. Und gleich die einleitende Fanfare des Cembalo-Konzerts "Concert champêtre" ist eine unüberhörbare Reverenz an den von Poulenc geschätzten Russen. Diese Werke wie auch das Konzert für zwei Klaviere beweisen aber nicht nur, wie geschmackvoll und auch spitzbübisch Poulenc den Moden seiner Zeit den Puls gefühlt hat. Diesen Eindruck bekommt man aber vielleicht nur, wenn Musiker den Staub aus ihren Instrumenten schütteln, um unbekümmert heiter und schnittig frech diese erstklassigen Leichtgewichte hinzulegen. Genau das hat Jos van Immerseels Orchester Anima Eterna beherzigt und erfreulich gelenkig und mit viel Esprit in die Tat umgesetzt. Und weil für Immerseel erst die Vitalität kommt und erst dann die aufführungspraktische Korrektheit, hat er im "Concert champêtre" die bravouröse Cembalistin Kateřina Chroboková nicht etwa an ein großes Konzertcembalo gesetzt, wie es von Poulenc wohl gedacht war – nein, sie darf aus einem nachgebauten Instrument von 1749 ein herrlich dahinwiegendes Chanson ohne Worte zaubern.

Guido Fischer, 25.06.2011



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




Top