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Diverse

The Ballad Singer

Gerald Finley, Julius Drake

Hyperion/Codaex CDA 67830
(71 Min., 2/2010)

Mit einem vor allem gegen Ende überraschend bunten, zweisprachigen Balladenprogramm darf sich der wohltimbrierte kanadische Bariton Gerald Finley gemeinsam mit dem bewährten Liedpianisten Julius Drake bei Hyperion präsentieren. Die Ballade fordert als spezieller Teilbereich des Liedrepertoires einen besonders erzählbegabten, stimmlich wie darstellerisch überaus präsenten Interpreten; eine kernige, umfangreiche Stimme ist außerdem hilfreich. Vor diesem Hintergrund, das sei im Vorfeld angemerkt, scheint Gerald Finley im Vergleich mit einem fulminanten Balladensänger wie Hermann Prey oder auch, um ein zeitgenössisches Beispiel zu nennen, im Vergleich mit Johannes Martin Kränzle insgesamt ein wenig zu brav, zu gediegen. Auch wenn er so richtig loszupoltern gedenkt ("Der Fluch der Hölle soll auf Euch ruhn!"), behält er immer noch den Schönklang im Auge, was die unmittelbare Wirkung etwas einschränkt. Freilich, die virile Eleganz hat auch ihren Reiz: Am Anfang von Schuberts "Erlkönig" mag man wider besseren Wissens beinahe glauben, der Vater habe tatsächlich alles im Griff – das liegt aber auch daran, dass der bald ins Geschehen tretende Erlkönig recht blass bleibt, denn für eine wirklich packende Darstellung dieser Figur mangelt es Finley wiederum an Rückhaltlosigkeit im Ausdrucksstreben. Am Ende stirbt dann der Knabe fast ohne Not …
Deutlich mehr zu fesseln vermag Finley mit Wolfs "Feuerreiter", was u. a. auch an Julius Drakes großartig farbenreichem Klavierspiel liegt. Bei Mahlers "Wo die schönen Trompeten blasen" ist Finley schließlich ganz in seinem Element, denn der lyrische, eben nicht typisch balladeske Tonfall dieses Stücks liegt ihm besonders gut. Allerdings tritt auch die störende Angewohnheit, Töne von unten anzusingen und dadurch öfters ein wenig unter der Zieltonhöhe zu bleiben, hier stärker hervor. Brillant ist indes Finleys deutsche Diktion – da bedauert man zunächst fast das Umschwenken ins Englische für das letzte Drittel des Programms. Allerdings wartet er mit einigen wenig bekannten Perlen des Repertoires auf, darunter Louis Emanuels "The desert" und Cole Porters "The tale of the oyster" – zwei ausgesprochen unterhaltsame Nummern, die kennenzulernen sich lohnt.

Michael Wersin, 02.07.2011



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