Responsive image
Sergei Tanejew

Sinfonien Nr. 2 & 4

Akademisches Sinfonieorchester Nowosibirsk, Thomas Sanderling

Naxos 8572067
(78 Min., 9/2008)

Sergei Iwanowitsch Tanejew (1856-1915): Schüler und Freund von Tschaikowsky, Lehrer von Rachmaninoff, Professor am Moskauer Konservatorium und zeitweise dessen Leiter. Nicht nur ein kreativer Komponist mit eigenständigem Profil, sondern auch ein brillanter Pianist – er spielte die russische Uraufführung von Brahms' erstem Klavierkonzert. Die Musik Westeuropas hat er genau studiert, u. a. auch bei Aufenthalten in verschiedenen Metropolen (besonders in Paris), und gelangte dadurch zu einer eher ablehnenden Haltung gegenüber dem zeitgenössischen westlichen Musikschaffen. Dafür beschäftigte er sich intensivst mit der Alten Musik, arbeitete sich akribisch in die Kontrapunktik der Meister des 15. und 16. Jahrhunderts ein mit dem Ziel, auf dieser Basis und unter Einbeziehung der russischen Volksmusik eine national eigenständige und vom Westen unabhängige Entwicklung anzustoßen.
All dies hört man freilich nicht bei einer ersten Begegnung mit Tanejews sinfonischem Werk, wie es diese interpretatorisch hochwertige CD ermöglicht. Warum Tanejew beispielsweise gerade die Musik von Brahms eigentlich nicht schätzte, verwundert eher, denn mit ihren kontrapunktisch inspirierten Strukturen, ihrer satztechnischen Profiliertheit bei gleichzeitiger Adaption einer romantischen Tonsprache scheinen sich die beiden Komponisten recht ähnlich zu sein. Die klanglich (melodisch, harmonisch) attraktive Oberfläche bietet einen guten Einstieg in Tanejews Musik, und man verweilt dann vor dem CD-Spieler, weil man zunächst spürt, dann immer deutlicher und detaillierter wahrnimmt, wie konzise und logisch diese Musik durchstrukturiert ist. Eine interessante und inspirierende Hörerfahrung, vielleicht der Beginn einer näheren Beschäftigung – ermöglicht durch die tadellose dirigentische Leistung von Thomas Sanderling. Als Sohn des berühmten Kurt Sanderling wuchs er in St. Petersburg auf und zeigt sich bestens vertraut mit dem russischen Repertoire.

Michael Wersin, 09.07.2011



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top