Responsive image
Johann Sebastian Bach

Konzerte und Sinfonien für Oboe

Heinz Holliger, Camerata Bern, Erich Höbarth

ECM/Universal 476 4386
(59 Min., 12/2010)

Im durchaus hohen Alter von 72 Jahren kehrt Heinz Holliger noch einmal zu seinem ersten musikalischen Frühling zurück. Schon 1965, so erinnert sich der Oboist im Booklet zu seiner Bach-Aufnahme, hatte er aus der Not eine Tugend gemacht und ein Konzert rekonstruiert, das ursprünglich für Oboe entstanden war. Fast ein halbes Jahrhundert später hat Holliger dieses Konzert nun mit Kantaten-Sinfonien sowie weiteren Einrichtungen von Concerti kombiniert, bei denen teilweise die Faktenlage mehr als dürftig ist. So sind von dem ursprünglich für Cembalo gedachten Konzert BWV 1059 gerade einmal neun Takte überliefert.
Doch hier hat sich die (spekulative) Mühe genauso gelohnt wie bei dem Oboenkonzert Marcellos, das quasi als doppelte Spiegelung daherkommt. Hatte Bach es für Cembalo solo umgearbeitet, wurden seine Verzierungen jetzt in die Marcellosche Vorlage wieder zurück übertragen. Dahinter mag musikwissenschaftliche Akribie und Schweiß stecken. In der Aufnahme hört man davon jedoch so gar nichts. Ganz im Gegenteil. Zusammen mit der von Erich Höbarth geleiteten Camerata Bern präsentiert Holliger mit seinem weiterhin unvergleichlich schlanken und hellen, elastisch-federnden und dann wieder unnachahmlich 'singenden' Ton einen Bach aus einem Guss. Mit "Ich hatte viel Bekümmernis" ist die CD überschrieben. Ihr Inhalt jedoch garantiert reinstes Glück fürs Gemüt.

Guido Fischer, 16.07.2011



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top