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The Impossible Gentlemen

The Impossible Gentlemen

Basho/Rough Trade SRCD 36-2
(63 Min., 2010)

Supergroup? Während man in England ungeniert den Begriff in den Mund und die Rezensionen nimmt, stutzt man hierzulande ein wenig. Klar, Steve Swallow und Adam Nussbaum kann man nicht anders als eine Edel-Rhythmusgruppe bezeichnen. Aber darf man Gwilym Simcock, den freilich hoch veranlagten walisischen Pianisten, schon einen Star nennen? Und: Wer ist eigentlich Mike Walker?
Antwort: Der 1962 in Manchester geborene Gitarrist ist eines der bestgehüteten Geheimnisse der britischen Jazzszene. „Kinder sollen meine Musik beim zweiten Hören mitsingen können – aber die Professoren sollen sich die Zähne daran ausbeißen“, erhofft er sich von seiner Musik. Nun, „The Impossible Gentlemen“, deren Spiritus Rector Walker ist, setzen diese spezielle Jazzrock-Philosophie perfekt um.
Es gibt akrobatische Irrsinns-Themen à la Chick Corea („Laugh lines“, „Play the game“), Scofieldesken Blues („Sure would Baby“), Metheny-Countrypop („When You hold her“) und immer wieder ganz wunderbare Balladen zu hören, in den vor allem Swallow mit seinen schwebenden, geradezu anstrengungslos wirkenden Soli brilliert.
Und Walker? Der offenbart, weshalb es eine Schande ist, dass man ihn nicht besser kennt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der Gitarrist mehr auf Vielfalt als auf den einen, wiedererkennbaren Sound setzt. Der Brite passt sich immer perfekt in den jeweiligen stilistischen Kontext ein. Mit so viel Musik- und Mannschaftsdienlichkeit ist es anscheinend schwierig, groß herauszukommen – die „Impossible Gentlemen“ könnten das Unmögliche jetzt allerdings möglich machen.

Josef Engels, 23.07.2011



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