Ein Mann der leisen Töne war der Tenor Zoran Todorovitsch wahrlich noch nie – das virile Kraftpotential seines durchaus eindrucksvollen Stimmmaterials hat er stets gerne ausgespielt. Dennoch hat dem Rezensenten Todorovitschs erstes Arienrezital beim Label „Arte nova“, erschienen im Jahre 2001, seinerzeit recht gut gefallen: Zwischen den nicht immer ganz problemfrei herausgeballerten Spitzentönen gab es viele Passagen, in denen jener lyrische Schmelz, jene praktisch stufenlose Modulierbarkeit der Stimme hörbar war, die neben den „high notes“ das wichtigste Kapital eines Tenors ist.
Davon ist zehn Jahre später nur – leider! – nicht mehr allzu viel zu hören. Das Timbre hat sich aufgeraut, die Stimme wirkt häufig müde und spricht deutlich träger an als früher. In „Celeste Aida“ bringt er es unter diesen Umständen nur zu einem leicht flackernden Einheitsklang mit entweder zu scharf oder zu grell hervorstechenden, gelegentlich auch unter zu hohem Druck erstarrenden hohen Noten. In „Addio, fiorito asil“ (Madama Butterfly) und „Donna non vidi mai“ (Manon Lescaut) hören wir durchaus ansprechende, eindrucksvoll kernige und kraftvolle Passagen, wo die Mittellage der Stimme gefragt ist; sobald es jedoch nach oben geht, überwiegt das Unbehagen. Mit seinen Mezza-Voce-Bemühungen am Anfang von „In fernem Land“ (Lohengrin) reüssiert Todorovitsch immerhin über kurze Strecken, scheitert aber an den eigentlichen Klippen („Taube“). Kurzum: Die prinzipielle Schönheit, die besondere Qualität dieser Stimme sind auch heute noch wahrnehmbar, aber es ist nicht zu überhören, dass Todorovitsch nicht von den Zinsen, sondern vom Grundkapital lebt. Feinsinniges Differenzieren, das Spiel mit Zwischentönen, der sensible Umgang mit dem Text liegen in diesem Stadium nicht mehr im Bereich des Möglichen. Aber es stellt sich die Frage, ob seine Fans solche Nuancen überhaupt erwarten …?

Michael Wersin, 23.07.2011



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