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Charles Coleman, Jennifer Higdon, Carter Pann, Jonathan Bailey Holland, Kevin Puts

American Portraits

Paavo Järvi, Cincinnati Symphony Orchestra

CSO/Naxos 945
(76 Min., 2003, 2004, 2005 & 2007)

Das Cincinnati Symphony Orchestra hat als eines der ältesten Orchester der USA so manche Klassiker aus der Taufe gehoben. Wie etwa Aaron Coplands „Fanfare for the Common Man“. An diese Tradition wollte wohl auch Paavo Järvi in seiner glorreichen Ära als Chef des CSO anknüpfen. Und so gab man immer wieder Kompositionsaufträge an amerikanische Komponisten heraus, die diesseits des großen Teichs absolute No-Names sind. Mit ihren rund 40 Jahren gehören Charles Coleman und Jonathan Bailey Holland aber eben auch einer Generation an, die sich lieber an das amerikanische Erbe halten und Experimentelles den europäischen Kollegen überlassen. Und so macht gleich Coleman in seinen beiden Stücken „Streetscape“ und „Deep Woods“ klar, für wen sein Herz schlägt. Es sind Copland und Leonard Bernstein, denen er hier mit überschäumend rhythmischem Drive und großorchestralem Schmiss nacheifert. Auch bei Jonathan Bailey Holland schimmert dieser typische American Way of Sound durch. Immerhin bekommt er in seinem neo-romantisch süffigen Stück „Halcyon Sun“ noch halbwegs die Kurve – wenn er das Orchester mit minimalistischen Rhythmus-Komplexen aufputscht, die ein John Adams auch nicht effektvoller hinbekommen hätte.
Bei diesem postmodernen Glamour kann das Orchester natürlich zeigen, was es kann. Aber auch in den drei Kompositionen, die Paavo Järvi in seinen CSO-Jahren aufs Programm gesetzt hatte, zieht man in aller Breitwand-Brillanz sämtliche Register. Ob in Jennifer Higdons „Fanfare ritmico“, in Kevin Puts „Network“ und nicht zuletzt in Carter Panns „Slalom“; in dem die Musiker nach einem knackigen Zitat aus Beethovens 9. Sinfonie ein atemberaubendes Hochgeschwindigkeitstempo einschlagen. In Europa werden die sechs Stücke vielleicht mal als kurzweilige „Showpieces“ Karriere machen. Vorausgesetzt, sie liegen dann in den Händen von so einem Feuerkopf wie Paavo Järvi.

Guido Fischer, 13.08.2011



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