Responsive image

Melt

Peter Meyer, Moritz Baumgärtner, Bernhard Meyer

Traumton/Indigo 951832
(62 Min., 2010)

Die Stücke tragen seltsam-evokative Namen wie „Goldregenstraße“, „Schlosskäfer“ oder „Traumwunsch“. Und doch ist es der vergleichsweise unspektakuläre Albumtitel, der die Besonderheit dieses Trios auf den Punkt bringt. “Melt“ heißt die CD, die das Bruderpaar Peter und Bernhard Meyer an Gitarre und Bass gemeinsam mit dem Schlagzeuger Moritz Baumgärtner eingespielt hat. Und „Melt“: Das ist auch der Zustand, in dem sich die Musik hier befindet.
Man hat den Eindruck, dass alles schmilzt und zusammenfließt. Melodie, Harmonie, Rhythmus, das also, was sonst fein säuberlich voneinander getrennt wird, gerinnt zu einer akustischen Masse. Man erkennt keine handelsüblichen Themen mehr; sie sind verborgen in den Arpeggien von E-Gitarre und E-Bass. Oft ist auch gar nicht genau zu unterschieden, wer hier wen begleitet oder wer gerade soliert.
Manchmal ist es auch so, als würde man einem mit lauter wunderlichen Dingen versehenen Eisblock beim Auftauen zuschauen. Es kommt immer wieder etwas Überraschendes zum Vorschein: mal ein Schlagzeug, das verkehrt herum zu laufen scheint (wie im Opener „Engelstanz“), mal ein digitales Insekt aus grauer Vorzeit, das plötzlich wieder zum Leben erwacht ist (wie in den Gitarren-Manipulationen am Ende von „Traumwunsch“), mal ein chaotisches Sammelsurium (wie in „Schlosskäfer“ oder „Want-Away“).
Kurz: Dieses Gitarren-Trio, das mit den Begriffen Post-Rock oder Bill Frisell 2.0 nur unzureichend beschrieben ist, dürfte eines der verblüffendsten innerhalb der aktuellen Jazz-Szene sein.

Josef Engels, 24.09.2011



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top