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Johann Sebastian Bach

Kantaten Folge 49 – Leipziger Kantaten aus den Jahren 1727 bis 1729

Rachel Nicholls, Robin, Blaze, Gerd Türk, Peter Kooij, Bach Collegium Japan, Masaaki Suzuki

Bis/Klassik Center BISSACD-1891
(72 Min., 9/2010) SACD

Hier darf Masaaki Suzukis Sohn und Schüler Masato Suzuki als Solist in die Tasten greifen: Die Sinfonia der Kantate BWV 188 ist der Schlusssatz des Cembalokonzerts BWV 1052, in diesem Fall für die Orgel als Soloinstrument transkribiert. Suzuki (der Vater) löst für die Einrichtung des Orgelparts ein Übertragungsproblem der Solopartie, die sich aufgrund der sehr fragmentarischen Überlieferung von BWV 188 nur rekonstruieren lässt, durch die Hinzunahme des 16-Fuß-Registers, was dem Solopart einen ungewohnten, aber reizvollen dunkleren, warmen Klang verleiht.
In der Tenorarie, die der konzertanten Einleitung unmittelbar folgt, hören wir den bewährten Gerd Türk als Solisten – und wundern uns über seine wohl solide, aber etwas mühevoll tönende, für seine Verhältnisse wenig geschmeidige Darbietung. Auch nicht hundertprozentig zu überzeugen vermag in der zweiten Arie der Kantate – nun wieder mit obligater Orgel – der Altus Robin Blaze, der den Text nicht in durchgehend verständlicher Weise zur Geltung zu bringen versteht; musikalische Rhetorik ist etwas anderes als das, was wir hier hören.
Ein wahres Arien-Paradestück darf Basssolist Peter Kooij in BWV 159 zum Besten geben: Die Arie „Es ist vollbracht“ mit obligater Oboe gehört zu den begeisternden Kleinoden unter Bachs Gesangssoli. Kooij bewältigt die Aufgabe mit sehr guter Deklamation, ansonsten aber mit jenen stimmlichen Einschränkungen, die bei ihm seit jeher zu beklagen sind: Er klingt streckenweise wohl angenehm, aber einfach nie ganz frei und locker, was gerade bei diesem Stück sehr bedauerlich ist. Bleibt von den Gesangssolisten noch die Sopranistin Rachel Nicholls zu erwähnen: Sie erweist sich mit ihrer Arie in BWV 171 („Jesus soll mein erstes Wort …“ mit obligater Violine) insgesamt noch als die überzeugendste vokale Kraft dieser Folge, wenngleich auch ihr Gesang den Hörer nicht wirklich vom Stuhl reißt. Fazit: Suzuki überzeugt, ähnlich wie oft sein Lehrer Koopman, eher auf instrumentaler Ebene, aber die Gesangspartien – deren überragende Wichtigkeit in geistlichen Vokalwerken sich von selbst versteht – gelangen bei weitem nicht immer völlig überzeugend zur Ausführung.

Michael Wersin, 08.10.2011



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