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Ostkreuz

JazzIndeed

A-Jazz/NRW A 5009
(68 Min.)

Das Berliner Quartett Jazzindeed ist ein Unikum. Zum einen ist die 1992 gegründete Gruppe die wahrscheinlich langlebigste Formation der Nachwende-Hauptstadtszene, was auch deshalb so erstaunlich ist, weil hier zum anderen völlig unterschiedliche Musiker seit fast 20 Jahren gemeinsame Sachen machen.
Daraus bezieht „Ostkreuz“ seinen Reiz. Michael Schiefels origineller, oftmals elektronisch verfremdeter Gesang trifft auf Jan von Klewitzens melodiestarkes Altsax, Bene Aperdanniers Klavier- und E-Piano-Tastenkunst vermengt sich mit Paul Klebers von Nujazz-Projekten wie „Micatone“ beeinflusstem Bass und Rainer Winchs humorvollem Schlagzeugspiel. Ähnlich abwechslungsreich nehmen sich die Kompositionen der Bandmitglieder aus, die mal skurril in Richtung Balkan verweisen (Winchs „Ringbahn“), Weather Report und Gayle Tufts zwangsvereinigen (Schiefels „Nightbus“) oder lustvoll Dissonanzen auskosten (von Klewitz’ „Vilshofen“).
Aber in erster Linie erzählt „Ostkreuz“ sehr anschaulich die Geschichte Berlins seit dem Mauerfall. Und die reicht hier von der Fischer-Z-Hymne „Berlin“ über David Bowies „Heroes“ aus Mauerzeiten bis hin zur gewitzt rotzigen Auseinandersetzung mit der Gegenwart (Schiefels „Auf’m Dorf“ bringt den Kampf zwischen Möchtegern-Großstadt und Provinz-Nervsäcken wunderbar auf den Punkt). Wie sich der „Jazz made in Berlin“ in den vergangenen Dekaden entwickelt hat – hier lernt er es so ganz nebenbei. Amüsant und dennoch fordernd – so wie die hassgeliebte Stadt eben.

Josef Engels, 22.10.2011



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