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Diverse

Callas Assoluta

Maria Callas u. a.

Arthaus Musik/Naxos 101 817
(97 Min., 00/2007)

Dieses nagelneue Callas-Filmporträt von Philippe Kohly fesselt den Zuschauer knapp 100 Minuten lang an den Bildschirm. Es gelingt Kohly, in großen, aber sehr konturierten Bögen das eigenwillige Leben einer der großen Legenden des 20. Jahrhunderts nachzuerzählen – eine Existenz auf Messers Schneide, ein betroffenmachendes Exempel für den bedenkenswerten Umstand, dass alles im Leben der Vergänglichkeit abgetrotzt ist. Eine Binsenweisheit, fürwahr, aber in diesem Dokumentarfilm bekommt sie auf eindrückliche Weise ein Gesicht und eine Stimme: Maria Callas konnte den Zauber ihrer Gesangskunst auf Basis eines hochproblematischen, schwierig zu handhabenden Stimmmaterials nur wenige Jahre lang erhalten, fokussiert durch ein unvorstellbar hohes Maß an Disziplin; nicht anders verhielt es sich mit ihrer extravaganten Schönheit, der ein pummeliges Allerwelts-Äußeres vorausging und die erschreckend früh dem zerstörerischen Alterungsprozess anheim fiel. Überaus vergänglich zudem ihr Ruhm und ihre gesellschaftliche Position, aufgebaut und schnell wieder zerstört durch die sensationslüsterne Presse und den gefühllosen Pöbel. Und das Privatleben der Callas, ein Bereich, in dem sie sich verzweifelt um Authentizität bemühte, geriet immer wieder zum eigentlich schwerwiegendsten Debakel. An ihrem frühen Ende brachte die einstige Diva nicht mehr die unmenschliche Kraft auf, all die Stränge ihres wenig glücklichen, fast niemals entspannten Daseins zusammenzuhalten – Selbstaufgabe und früher Tod waren die bitteren Folgen. Eine rührselige Geschichte voller Allgemeinplätze? So könnte man glauben. Aber dieser Film, geschaffen in unverkennbarer Sympathie für die Porträtierte, erzählt sie unter Zuhilfenahme einer Fülle von Fotografien, Film- und Interviewausschnitten sowie knappen Musikbeispielen ohne Schnörkel und Umschweife so prägnant, dass er wahrhaft unter die Haut geht. Der Zuschauer erhält Einblick in ein Lebensdrama, das ihn nicht kalt lassen kann.

Michael Wersin



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