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Francis Poulenc, Camille Saint-Saëns, Gabriel Fauré, Claude Debussy, Nadia Boulanger

Französische Cello-Sonaten

Julian Steckel, Paul Rivinius

CAvi/harmonia mundi CAVI8553230
(71 Min., 4 & 5/2009)

Wer könnte sich dem Charme der hier präsentierten Kammermusik für Violoncello und Klavier entziehen, wenn sie so einschmeichelnd, lebendig und gleichzeitig so vollkommen dargeboten wird wie von Julian Steckel und Paul Rivinius? Dass Musik in jeder Epoche immer auch eine aussagekräftige „Sprache“ gewesen ist, rufen die beiden nonverbal so ungeheuer eloquenten Künstler aufs Eindringlichste ins Bewusstsein: eine schwer zu erlernende und komplexe Sprache freilich, selbst in einer so erfrischend nicht-artifiziellen Komposition wie der Cello-Sonate von Francis Poulenc. Was für harmonische Extravaganzen ballt der Komponist auf engstem Raum, vorangetrieben von nicht minder extravaganten melodischen Einfällen, die permanent einander zu jagen scheinen: höchst unterhaltsam, das Ganze, und doch so schwer umzusetzen; mühelos und nonchalant soll es klingen, natürlich auf der Basis perfektesten Zusammenspiels. Genau das gelingt Steckel und Rivinius auf unvergleichlich verspielte und gleichermaßen doch auch sehr ernsthafte Weise, und deshalb ist die Poulenc-Eröffnung dieses Programms schon ein begeisternder Volltreffer.
Dass es danach mit reizenden Salonstücken Gabriel Faurés und mit der Cello-Sonate von Claude Debussy ebenso begeisternd weitergeht, überrascht nicht. Aufhorchen lassen später vor allem die „Trois pièces“ von Nadia Boulanger, die nach dem frühen Tod ihrer Schwester Lili im Jahre 1918 aufhörte zu komponieren und bis zu ihrem eigenen Tod im Jahre 1979 dann vor allem pädagogisch tätig war. Welche poetische Kraft steckt in diesen Miniaturen! Ein echter Knüller am Ende des Programms ist dann noch die Cello-Sonate op. 32 von Camille Saint-Saëns, fordert sie doch einmal mehr das ganze technische und interpretatorische Können der beiden Künstler. Atemlos lauscht der Hörer und lässt sich von den Wogen und Wallungen dieser Musik gern davontragen, denn das außerordentliche Können von Julian Steckel und Paul Rivinius garantiert vollkommenen Hörgenuss bis zur letzten Sekunde.

Michael Wersin, 05.11.2011



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