Man mag Ton Koopmans unversiegbar eloquentes Truhenorgel-Continuospiel, das jede seiner Aufnahmen barocker Ensemblemusik unverkennbar prägt, als Symbol nehmen für seine unermüdliche Umtriebigkeit: Diesem permanenten Energiestrom, der auch durch lästige äußere Hemmnisse wirtschaftlicher Natur offenbar nicht zum Stillstand zu bringen ist, verdanken wir u.a. die kaleidoskopartige Ausbreitung sämtlicher Werke Dieterich Buxtehudes in guten bis sehr guten Einspielungen. Begonnen wurde dieses Mammut-Unternehmen anlässlich des 300. Buxtehude-Todesjahres 2007, und noch ist es offenbar voll im Gange. Mit dem fünften Teil der Vokalwerke wird der gewaltige Schatz geistlicher Kompositionen im Spannungsfeld der barocken Gattungen „Concerto“ und „Aria“, das Buxtehude kreativst beackerte, um einige Perlen bereichert – allen voran die Kantate „Je höher du bist, je mehr dich demütige“, in der Buxtehude den Gegensatz von „Oben“ und „Unten“ sehr plastisch zu Musik werden lässt.
Mit von der Partie ist auch in dieser Folge wieder der Bassist Klaus Mertens – hat er überhaupt einmal in einer Aufnahme Ton Koopmans gefehlt, in der es für seine Lage etwas zu tun gab? Erfreulicherweise zeigt er sich von seiner besten Seite; Ermüdungserscheinungen, die in den letzten Jahren häufig zu hören gewesen waren, sind hier auf ein Minimum reduziert. Mit Siri Thornhill und Dorothee Wohlgemuth stehen ihm in der genannten Kantate zwei Sopranistinnen zur Seite, die sich in ihren Duettpassagen nicht nur sehr gut mischen, sondern jede für sich auch die Schwierigkeiten des Stücks glänzend meistern. Zumeist sehr gelungen geht es dann auch weiter auf dieser CD, und der Hörer lässt sich gern von Koopman auf diese Etappe der abwechslungsreichen Reise durch Buxtehudes so ausdrucksstarke Musik mitnehmen.

Michael Wersin, 12.11.2011



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top