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Tōru Takemitsu, Paul Hindemith, Leoš Janáček u.a.

Violin-Sonaten und -Stücke

Natascia Gazzana, Raffaella Gazzana

ECM/Universal 476 4428
(47 Min., 3/2011)

Fast ein ganzes Musik-Jahrhundert umspannt das Debüt-Recital des italienischen Schwestern-Paars Gazzana. Die beiden Violinsonaten von Leoš Janáček und Paul Hindemith von 1921 bzw. 1935 repräsentieren die klassische Moderne. 1951 ließ der Japaner Tōru Takemitsu mit einem unschuldig daherkommenden Stück bereits die Postmoderne erahnen, auf die sich 50 Jahre später der Ukrainer Valentin Silvestrov mit seinen „Fünf Stücken“ noch mal beziehen sollte. Zwei musikalische Welten haben somit die Gazzanas zusammengebracht, musikdramaturgisch plausible Schnittmengen finden sich jedoch kaum. Dazu ist einfach der Qualitätsunterschied zwischen den beiden ‚Parteien‘ und ihren Klanghandschriften zu gewaltig.
Mit „Distance de fée“ outete sich der damals erst 21-jährige Takemitsu als stilsicherer Kopist von Claude Debussy und seines elegischen Zaubers. Valentin Silvestrov versetzte sich dagegen mit seinen fünf Violinstücken ins 19. Jahrhundert und wagte auch eine salonhafte Serenade, die heute ziemlich altbacken wirkt. Wie ganz anders positionierten sich Janáček und Hindemith in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen. Furioses wie gleichermaßen verstörendes Leben durchpulst das 1914 begonnene und sieben Jahren später beendete Werk des Tschechen. Fast holzschnittartig kommt hingegen Hindemiths Sonate in E daher. So weit die Gräben im Programm – die die Gazzanas zumindest glänzend zu überspielen versuchen. Beide können sie impulsiv und robust bis rabiat zupacken, werfen sich mit Verve und Spontaneität in die gezacktere Literatur. In der nachimpressionistischen und hyper-romantischen Klanglichkeit beweisen sie dann Fingerspitzengefühl und nötigen Sinn fürs Delikate. Das Rüstzeug für ein rundum gelungenes Album besitzt man also. Jetzt muss es nur noch folgen.

Guido Fischer, 19.11.2011



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