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Orlando di Lasso, Cipriano de Rore, Vincenzo Ruffo, Alfonso Ferrabosco, William Byrd, Giaches de Wert u.a.

Orlando furioso – Madrigali sul poema di Ludovico Ariosto

La Compagnia del Madrigale

Arcana/Note 1 A 363
(69 Min., 10/2009 & 9/2010)

Die Wechselbeziehung zwischen Sprache und Musik ist eines der fruchtbarsten Spannungsfelder der Musikgeschichte: Immer und immer wieder haben sich Poesie und Tonkunst aneinander weiterentwickelt – jahrhundertelang haben Komponisten immer wieder an der Problemstellung gearbeitet, wie Musik auf besonders intensive Weise Sprache in sich aufnehmen und deren Ausdruck vertiefen kann. Das Italien des 16. Jahrhunderts ist in dieser Hinsicht ein besonders aufregender Schauplatz: Mit den kompositorischen Möglichkeiten der Gattung Madrigal wandten sich zahllose Komponisten der hochartifiziellen Renaissance-Dichtung zu und verfeinerten an den Gedichten ihre Tonsprache. Zu den zentralen literarischen Werken, die vielhundertfach die Kreativität der Komponisten herausforderten, gehörte Ludovico Ariostos 46.000-Verse-Epos „Orlando furioso“ („Der rasende Roland“).
Die sechs Sängerinnen und Sänger der „Compagnia del Madrigale“ sind der Fährte des „Rasenden Rolands“ auf musikalischem Gebiet gefolgt: Aus einer riesigen Anzahl Vertonungen unterschiedlichster Passagen dieses Poems wählten sie 22 Madrigale einiger der Meisterkomponisten des 16. Jahrhunderts aus. Sie widmen sich deren kleinen Kunstwerken mit einem Höchstmaß an interpretatorischer Erfahrung, die sich u.a. in der perfekten Homogenität des Ensembles widerspiegelt: Es gibt keinerlei Intonationsschwächen, und niemals wird der Gesamteindruck auch nur durch die geringste Uneinigkeit in der Intention des Ausdrucks gestört. Die großartige Homogenität führt indes nicht zu unpersönlicher Gesichtslosigkeit; vielmehr ist die schiere Schönheit vor allem der Frauenstimmen des Ensembles ein wesentliches Merkmal innerhalb der Gesamtwirkung. Kurzum: Der Spagat zwischen vollkommener individueller Hingabe an Musik bzw. Text und gleichzeitiger permanenter Selbstkontrolle des eigenen Beitrags im Gesamtklang, eine der Hauptschwierigkeiten jeglichen kammermusikalischen Tuns, gelingt den Sängerinnen und Sängern dieser CD einfach perfekt.

Michael Wersin, 19.11.2011



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