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Kimmo Pohjonen, Samuli Kosminen

Uniko

Kronos Quartet, Kimmo Pohjonen, Samuli Kosminen

C-Major/Naxos 707108
(82 Min., 9/2004)

„Ich höre mir fast wie ein Süchtiger einfach alles an“, hat David Harrington einmal im Interview gestanden. „Jedes Stück ist erst einmal ein Abenteuer, es gibt keine Note, die für mich schlecht ist.“ Kein Wunder, dass der Erste Geiger des Kronos Quartets als Repertoire-Chefscout sofort auch bei Namen spitze Ohren bekommt, von denen er noch nie etwas gehört hat. So war es auch 2002, als ihm ein finnischer Journalist den Komponisten und Akkordeonisten Kimmo Pohjonen empfahl. Und nachdem sich Harrington sämtliche Aufnahmen von Pohjonen besorgt hatte, bestellte er prompt bei ihm und dessen Musikerfreund Samuli Kosminen ein neues Werk. So weit die im Bonus-Teil der DVD aufgeblätterte Vorgeschichte. Dass Pohjonen und Kosminen 2004 kein Stück von der Stange geliefert hatten, sondern mit dem rund 60-minütigen „Uniko“ eines ganz nach dem Geschmack des Kronos Quartets, dokumentiert dagegen eine gemeinsame Live-Aufführung in Helsinki.
Die beiden Komponisten, die vom Äußeren her eher auf Rock-Festivals zuhause sein könnten, und das Kronos Quartett breiten da zu einer dezenten Lightshow vorrangig atmosphärisch geheimnisvolle Klanglandschaften aus. Den Nährboden bildet dabei die Minimal Music mit ihrem kraftvollen Sog, in die man immer wieder eher radikal-melancholische als lebensbejahende Melodien einstreut. Schließlich befindet man sich ja in Finnland, wo die seelischen Temperaturstürze an der Tagesordnung sind. Depressiv wird man bei dem vielleicht etwas zu lang geratenen Stück dennoch nicht. Dafür sorgen elektronische Energieströme und Tango-Anleihen, aber auch selbst für das Kronos Quartet brandneue, spieltechnische Effekte – wenn die vier Musiker etwa die Saiten nur mit ihrem Atem in Schwingung versetzen oder Vogelschwärme durch den Konzertsaal ziehen lassen. Auch solche lautmalerischen Momente potenzieren im Grunde den urwüchsig-archaischen Charakter einer Komposition, die nicht weltbewegend ist, aber doch hellhörig macht.

Guido Fischer, 03.12.2011



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