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Sing! Inge, sing!

Inge Brandenburg

Silver Spot/edel kultur
(73 Min.)

„Mein größter Wunsch wäre, noch eine sehr schöne CD zu hinterlassen, ehe ich dann hinüberschwebe“, sagte Inge Brandenburg in ihrem letzten Interview 1995. Dass sich dieser Wunsch erst jetzt, 12 Jahre nach ihrem Tod, erfüllt, ist typisch für das Schicksal der größten deutschen Nachkriegs-Jazzsängerin.
Brandenburg, die beim Singen wie keine andere über ein atemberaubendes Timing verfügte, war ansonsten komplett zur falschen Zeit am falschen Ort. Es sagt schon alles, dass es erst jetzt einen Tonträger gibt, der das Können der 1960 in Antibes zur besten europäischen Jazzsängerin ausgerufenen Künstlerin umfassend dokumentiert. Der Regisseur Marc Boettcher, der einen wunderbaren Film über Inge Brandenburg gemacht hat, trug für „Sing! Inge, sing!“ 22 Stücke aus den Jahren 1959 bis 1995 zusammen, von denen 20 bislang unveröffentlicht waren.
Zusammen mit Zeitgenossen wie Albert Mangelsdorff, Peter Herbolzheimer und verschiedenen deutschen und internationalen Rundfunk-Big-Bands singt sich Brandenburg durch das American Songbook. Was soll man sagen? Diese Phrasierungen, diese Verzierungen, dieses Feeling: Das hat Weltformat.
Bezeichnenderweise stechen mit „Lover Man“ und „All Of Me“ ausgerechnet die beiden Aufnahmen heraus, die zu Lebzeiten der Sängerin herausgebracht wurden und nicht die geeignete Resonanz erfuhren. Eine derartige Ausnahmebegabung wirkte offenbar höchst verstörend auf das schlagerselige Adenauer-Deutschland. Schön, dass dieser Schatz gehoben wurde. Tragisch und traurig, dass Inge Brandenburg, die vergessen und verarmt 1999 verstarb, das nicht mehr erleben durfte.

Josef Engels, 03.12.2011



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