Responsive image
Georg Philipp Telemann

Opernarien

Nuria Rial, Julia Schröder, Kammerorchester Basel

Deutsche harmonia mundi/Sony 88697 922562
(59 Min., 10/2010 & 1/2011)

Nachdem Sopranstimmen à la Emma Kirkby heutzutage auf dem Feld der Barockmusik nicht mehr die Regelbesetzung sind, sondern vielfach ersetzt wurden durch die dynamisch ausladenderen, vibratoreicheren Organe deutlich extravertierterer Künstlerinnen, gönne sich der Hörer dieser CD ganz bewusst eine Eingewöhnungs-, ja eine Rückbesinnungsphase: Die in ihrer katalanischen Heimat und in Basel ausgebildete Nuria Rial ist nämlich eine Meisterin der leiseren Töne und der ganz feinen Ausdrucksnuancen. Und ihre fast asketisch schlank und gerade geführte, dabei freilich betörend schöne Stimme passt hervorragend zur äußerlich oft schlichten (wenn mit Bach-Ohren gehörten) Musik Georg Philipp Telemanns, die ihren Reiz ganz aus der Limitierung der eingesetzten Mittel entfaltet: Nach harmonischen Irrgärten in Bachs Manier hält man hier vergeblich Ausschau, und mit atemberaubender Virtuosität tut sich – zumindest im hier präsentierten Repertoire – nur der Blockflöten-Solopart von Rosettas Arie „Mich tröstet die Hoffnung“ aus „Der geduldige Sokrates“ hervor.
Dafür zaubert Telemann mit einer geschmeidigen, im Duktus bisweilen fast liedhaften Melodik, die nur eine wirklich feinsinnige Künstlerin mit perfekter, auch für winzigste Regungen durchlässiger Technik überzeugend gestalten kann. Eine solche ist Nuria Rial, und sie wird hervorragend getragen, ja geradezu auf Rosen gebettet vom Kammerorchester Basel. Dass Telemann die Idee hatte, einige seiner Opern mit Violinkonzerten als Ouvertüren einzuleiten, ist gleichfalls ein Glücksfall für dieses Telemann-Projekt: Die erfahrene Barockgeigerin Julia Schröder zelebriert die Stücke mit derselben Sensibilität wie Nuria Rial ihre Arien, und deshalb kann diese ungewöhnliche CD als Ganzes nur wärmstens empfohlen werden.

Michael Wersin, 10.12.2011



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top