Responsive image

Live In Cologne 1983

Weather Report

Art of Groove/Indigo 959972
(106 Min., 5/1983) 2 CDs

Wie um zu beweisen, dass das erneuerte (und, wie wir heute wissen, auch letzte) Band-Line-up von Weather Report vielleicht das energetischste in der Geschichte der Formation war, legte das Quintett bei seinem Auftritt in Köln 1983 los wie die Feuerwehr. Auf das swingende „Procession“ mit seinem Frage-Antwort-Spiel zwischen Joe Zawinul und Wayne Shorter auf der einen und Bassist Victor Bailey auf der anderen Seite folgt da das ungemein rasante „Fast City“ mit einem Shorter in Bestform und Zawinul an zwei Keyboards gleichzeitig.
Erst nach 20 Minuten kehrt mit dem fernöstlich anmutenden und arg nach Räucherstäbchen riechenden „The Peasant“ eine gewisse Ruhe ein. Diesem Muster folgt das gesamte Konzert: Pulsierender Hochgeschwindigkeits-Jazzrock wechselt sich mit weltmusikalischen Meditationsübungen ab, bei denen Perkussionist Jose Rossy auch schon mal zum Mini-Bandoneon greifen darf.
Das wird dann schon zu einem gewissen Härtetest für die Geschmacksnerven. Aber der letzte Weather-Report-Hit „D Flat Waltz“, das bittersüße Zugaben-Duett von Zawinul und Shorter sowie die vibrierende Spielfreude der jungen Mitmusiker entschädigen für die Esoterik-Ausrutscher von 1983.
Kurze Zeit später schloss sich Drummer Omar Hakim Sting an, Bassist Bailey ging zu Madonna. Das Kölner Konzert markiert somit das Ende einer Ära. Vorbei die Zeit, dass begnadete Jazzrocker aus eigener Kraft Popstars werden konnten.

Josef Engels, 14.01.2012



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Im Italien des 19. Jahrhunderts ist für Instrumentalisten nicht viel zu holen. Die großen Komponisten dieser Zeit: Alle schrieben sie Oper. Verdi, Puccini, Rossini, Donizetti, es ist zum Verzweifeln (zumindest aus Sicht der Kammermusik- und Orchesterfreunde)! Doch muss man nur ein wenig Schatzgräber-Instinkt mitbringen und gründlich suchen, wie es die Münchener Cellistin Raphaela Gromes und Pianist Julian Riem für ihre Debüt-CD bei Sony getan haben, und man stößt doch auf die eine oder […] mehr »


Top