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Charles Ives

Vier Sonaten

Hilary Hahn, Valentina Lisitsa

Deutsche Grammophon/Universal 4779435
(66 Min., 6/2010)

Da dachte man schon fast, die 1973 in Kiew geborene Pianistin Valentina Lisitsa würde nur im Internet Karriere machen: Die zahlreichen Youtube-Clips, die das staunenswerte Können dieser Ausnahmekünstlerin zeigen, waren lange ein Geheimtipp unter Klavier-Freaks. In den CD-Katalogen hingegen suchte man vergeblich nach repräsentativen Aufnahmen. Warum es so lange gedauert hat, ist unbegreiflich: Lisitsa ist sowohl in technischer als auch in gestalterischer Hinsicht ein Phänomen, und Dirigenten oder Orchestermusiker, die mit dieser Tastentigerin gearbeitet hatten, zeigten sich stets hellauf begeistert. Nun taucht Lisitsa überraschenderweise beim Gelblabel auf, Seite an Seite mit Hilary Hahn. Die vier Violinsonaten des musikalischen Querkopfes Charles Ives stehen auf dem Programm, und sie erweisen sich als sehr passendes Repertoire für dieses Duo. Hahn und Lisitsa nehmen den gebannten Hörer bei der Hand und führen ihn zielstrebig durch die schwindelerregenden Collagen aus bunten Amerika-Impressionen, die Ives in kammermusikalische Formen packte. Perfekt im Zusammenspiel, differenziert und nuanciert in der Gestaltung, überaus couragiert im Erfassen der Stücke präsentieren die beiden Damen diese abgefahrene Musik mit einer schlafwandlerischen Sicherheit, die restlos begeistert. Hahns immer etwas überzuckerter Ton, der vor allem auf ihren Bach-CDs so nervt, drängt sich hier kaum jemals in den Vordergrund: Die hochintelligente Interpretin ist in diesen umtriebigen Sonaten so umfassend gefordert, dass sie sich nirgends allein in pastosem Schönklang ergehen kann. Und Valentina Lisitsa ist auch im intrikatesten und vertracktesten Getümmel immer so perfekt bei ihr, dass man nur noch ungläubig den Kopf zu schütteln vermag – hier haben sich zwei wahre Könnerinnen gefunden.

Michael Wersin, 21.01.2012



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