Responsive image

I’m Old Fashioned

Mark Wyand

Content/Edel 0207336CTT
(59 Min.)

In einer Zeit, die hektisch auf der Suche nach dem neuen Ding ist, mutet der Album-Titel wie eine Provokation an: „I’m Old Fashioned“. So hat der Berliner Saxofonist Mark Wyand seine neue CD genannt, hinter der sich – zum wohl noch größeren Schrecken der Innovationsjünger – eine Sammlung altbekannter Standards verbirgt.
Die Überraschung könnte kaum größer sein, wenn man hört, was Wyand mit seinem um die Sängerin Ofri Brin verstärkten Quintett aus Stücken wie „Over The Rainbow“, „Speak Low“ oder „I’m Getting Sentimental Over You“ macht. Das ist keine brave konservative Pflichtübung, sondern der Beleg, dass der Mainstream ein breiter Fluss mit lauter verborgenen Anlegestellen in der avancierten Popmusik der vergangenen Jahrzehnte ist.
Auch wenn Ofri Brin mit ihrem rauen Gesang stark an Billie Holiday erinnert: An keiner Stelle ist auf „I’m Old Fashioned“ ein bloßes Nachahmen vergangener Interpreten zu vernehmen. Wyand und seine extrem sparsam agierenden Co-Solisten Frank Möbus an der Gitarre und Wolfgang Zechlin an Klavier und Rhodes verwandeln die Songs vielmehr in abenddämmernde Stimmungsbilder für die Gegenwart.
Dabei agiert der Bandleader keineswegs wie ein Saxofon-Mystiker nordischer Provenienz, sondern verfertigt mit größter Seelenruhe und erstaunlich vielen dahinflirrenden Tönen so etwas wie Action Paintings seines Improvisationsgeistes. Ein Konservativer? Frei nach Mahler muss man sagen: Hier gibt jemand das Feuer weiter, anstatt die Asche anzubeten.

Josef Engels, 04.02.2012



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zugegeben: Letzte Woche haben wir mit unserer CD-Empfehlung ganz schöne Hör-Kalorien aufgetischt. Dagegen wirkt das a-capella-Album deutscher Adventslieder von Schwesternhochfünf wie ein Spaziergang im Winterwald: klar, kühl, konzentriert. Die Stimmen beginnen im Einklang wie ein Schwesternkonvent der Hildegard-von-Bingen-Zeit, doch schon, wenn beim Arrangement von „Maria durch ein Dornwald ging“ hörbar ein Geflecht aus Sekunden und Reibungen zu flirren beginnt, zeigt das Album, was in […] mehr »


Top