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Dieterich Buxtehude

Kantaten und Sonaten

Le Concert Brisé, William Dongois

Accent/Note 1 ACC 24240
(76 Min., 8/2010)

Kenner und Liebhaber der Vokal- bzw. Instrumentalmusik müssen bzw. dürfen umhören: Basierend auf der ungenauen Quellenlage einerseits und überlieferten allgemeinen Besetzungskonventionen andererseits wagt William Dongois ungewohnte Instrumentierungen leidlich bekannter Stücke. Da erklingt etwa die Chaconne „Quemadmodum desiderat cervus“ nicht mit zwei Violinen als Diskantinstrumenten, sondern mit einem Zink an der Spitze, der sich sowohl mit der verbliebenen Violine als auch mit der hinzutretenden Posaune und dem Dulzian im Bass hervorragend mischt. Noch überraschender ist die „Neubesetzung“ einiger der Sonaten mit Zink und Posaune statt Violine und Gambe. Es erstaunt, wie sehr die Bläser-Instrumentierung den Charakter der Stücke verändert, ohne ihn indes zu verzerren oder zu verfälschen – es handelt sich einfach um (durch die barocke Praxis legitimierte) klangliche Varianten, die wertvolle neue Einblicke in Substanz und Struktur ermöglichen. Die technischen und interpretatorischen Fertigkeiten der beteiligten Instrumentalisten – neben William Dongois selbst als Zinkenist sind u.a. Stefan Legée (Posaune) und Katharina Bäuml (Dulzian) mit von der Partie – stehen außer Frage: Der Hörer erlebt absolut hochkarätiges und kundiges historisierendes Spiel. Die Sopranistin Dagmar Saskova fügt sich gut ein in diese routiniert miteinander musizierende Gruppierung; lediglich kurzzeitige Intonationsunsicherheiten, wahrnehmbar besonders in „Quemadmodum desiderat cervus“, sind kritisch zu vermerken – dies allerdings innerhalb einer der mitreißendsten Darbietungen dieser Chaconne, die der Autor je gehört hat. Positiv hervorzuheben ist wiederum Saskovas sicherer Zugriff auf die tiefe Lage im „Klag-Lied“ BuxWV 76b. Insgesamt: Buxtehude in neuer Perspektive – ein Gewinn.

Michael Wersin, 25.02.2012



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