Responsive image
Marianna Martines

Il primo amore

Nuria Rial, Nicoleta Paraschivescu, La Floridiana

DHM/Sony 88697 885792
(64 Min., 2/2011)

Die Cembalistin und Komponistin Marianna Martines (1744-1812) war eine prominente Figur im Kulturleben der Stadt Wien, wo ihr aus Neapel stammender Vater sich als Zeremonienmeister des päpstlichen Nuntius niedergelassen hatte: Sie erweckte u.a. das besondere Interesse des Hofdichters Pietro Metastasio, in dessen Haus am Kohlmarkt die Familie Martines zur Untermiete lebte. Schon früh wurde sie bei Hofe eingeführt und erfreute auch Kaiserin Maria Theresia durch ihre Kunst. Der englische Musikgelehrte Charles Burney lobte ihren Gesangsvortrag eigener Arien, zu denen sie sich selbst auf dem Flügel begleitete. Inwieweit sie mit ihrem Zeitgenossen Mozart Kontakt pflegte, lässt sich eigenartigerweise nicht präzis ermitteln. Sicher ist aber, dass Joseph Haydn sie im Hause Metastasios eine Zeit lang täglich unterrichtete.
Eigenartig, dass eine solche Künstlerpersönlichkeit mit ihrem Schaffen bisher kaum auf Tonträgern vertreten ist: Außer der vorliegenden CD findet sich nichts weiter als eine schon lang vergriffene Einspielung einer ihrer Messen. Umso erfreulicher ist es daher, dass sich die u.a. in Basel ausgebildete Cembalistin Nicoleta Paraschivescu mit ihrem Ensemble „La Floridiana“ nun eingehend mit Marianna Martines‘ Musik auseinandergesetzt hat. Mit einer dreisätzigen Ouvertüre, einer Kantate, einem Cembalo-Concerto, einer Cembalo-Sonate und einer kleinen Arien-Auswahl liefert Paraschivescu einen aussagekräftigen Querschnitt durch das erhaltene Œuvre der Wienerin. Dass sie dabei Nuria Rial als Solistin für die Vokalmusik gewinnen konnte, ist ein großes Glück: Die Katalanin veredelt Martines‘ Kantilenen mit ihrer wie immer höchst geschmeidigen und faszinierend wohlklingenden Gesangskunst. Allerdings steht ihr Nicoleta Paraschivescu als Cembalo-Solistin in puncto interpretatorische Delikatesse nicht nach. Und da auch das offenbar handverlesene Instrumentalensemble mit den beiden potenten Solistinnen absolut an einem Strang zieht, darf man diese schöne CD wärmstens empfehlen.

Michael Wersin, 25.02.2012



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top